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Wartezeit bei Ärzten

1. September 2007 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Medizin

Der Wiesbadener Kurier nimmt heute im Top-Thema per Selbstversuch die mitunter sehr langen Wartezeiten bei der Vereinbarung eines Facharzttermins ins Visier.
Ich will auf diese Form von Wartezeit nicht näher eingehen, der Artikel spricht für sich, gibt aber auch einige Erklärungen, warum es zu Verzögerungen kommt.

Was mir einfach nicht einleuchten will, ist, wie es zu mehrstündigen Wartezeiten bei Fachärzten trotz eines vorher fest vereinbarten Termins kommen kann.
Betrachten wir es doch ganz emotionslos und ohne wie wild auf den Ärzten ‘rumzuhacken:

  • Es muß eine limitierte Anzahl von Patienten pro Tag vorliegen.
  • Diese Anzahl ergibt sich aus der “gewöhnlichen” Arbeitszeit des Arztes/Facharztes und der Anzahl der Patienten, die innerhalb dieser Arbeitszeit behandelt werden können.
  • Der Arzt hat Erfahrungswerte, wie lange eine Behandlung im Schnitt dauert. Es mag Abweichungen vom Durchschnitt geben, nämlich wenn bestimmte Erkrankungen eine längere Behandlungszeit am jeweiligen Tag erfordern, dafür sagen aber wiederum einige Patienten jeden Tag ab bzw. kommen erst gar nicht, wodurch sich der Schnitt wieder den Mittelwerten annäher dürfte.
  • Mit dieser durchschnittlichen Behandlungszeit läßt sich gut kalkulieren, für echte Abweichungen kann man einen Puffer veranschlagen.

Warum entstehen dann eigentlich bereits um die Mittagszeit bei manchen Fachärzten Verzögerungen von Stunden ? Am Ende des Tages kann der Arzt doch nur eine bestimmte Anzahl von Patienten behandelt haben. Diese Zahl wird keine großen Abweichungen pro Tag und Stunde aufweisen.
Wenn aber doch die durchschnittliche Taktung bekannt ist und er/sie weiß, daß sowieso nicht mehr als Maximum/Tag funktioniert, reicht es doch vollkommen aus, nur “das Produkt” aus (durchschnittlicher Behandlungszeit x Anzahl der Patienten) in X Zeiteinheiten einzubestellen.
Also z.B.

  • Durchschnittliche Behandlungszeit (willkürlicher Wert): 7 Minuten
  • Meinetwegen vier Stunden Behandlungszeit: 240 Minuten
  • 240:7 = ~34

In 240 Minuten können also im Schnitt nur 34 Patienten behandelt werden. Mehr geht dann eben nicht.
Selbst wenn diese Zahl noch gesteigert werden sollte, irgendwann ist doch das absolute Maximum bekannt und auch damit läßt sich wenigstens halbwegs kalkulieren. Wie kommt es dann manchmal schon vormittags zu Wartezeiten von 2 Stunden ?

Damit keine Mißverständnisse aufkommen:
Das ist jetzt keine willenlose Kritik im Stile von “alles ist Scheiße”.
Ich verstehe einfach nicht, wie diese Wartezeiten entstehen. Es gibt einen Plan, ein Maximum und Erfahrungswerte. Dann kann man doch die Patienten entsprechend einbestellen, oder ?

Kommentare:

9 Kommentare zu “Wartezeit bei Ärzten”
    • Wolf sagt:

      Ganz emotionslos geht es bei diesem Thema aus Sicht des Patienten nicht, deshalb: Ärzte haben in ihrer Ausbildung so manches gelernt, Organisation einer Praxis gehört nicht dazu. Und weil sie zu ebenso un(aus)gebildeten Ärzten zur Anleitung gehen ändert sich da auch wenig. Es gibt aber “die Ordentlichen” unter den Ärzten, die schaffen das mit den Terminen. Das liegt daran, dass die mal nachdenken wie Du es getan hast (Zeit pro Patient und verfügbare Zeit ergeben einen Annäherungswert).

      Ich habe nach mehreren Wochen vergeblichen Anrufens einer Nummer der Augenambulanz einer Universitätsklinik zur Vereinbarung eines von dieser gewünschten Nachuntersuchungstermins vor wenigen Tagen erstmals eine unbelegte Leitung gehört. Viermal brach das Ortsgespräch ab, bevor beim fünften Anwählen ein Mensch am anderen Ende der Leitung abnahm.

      Dann wurde lange nach einem Termin gesucht (Kongresse und anderweitige Verpflichtungen der Universitätsaugenärzte machen das schwierig, dass ich auch noch Termine habe macht es fast unmöglich). Und dann: «Und bringen Sie viel Zeit mit.» Ich fragte was das bedeute. Ausweichen. Mehrfach. Dann: «Also vier bis sechs Stunden müssen Sie rechnen.» Ich war entsetzt. Das ist respektlos. Ich wurde auf die vielen Verpflichtungen hingewiesen, die Notfälle, die Stationsdienste … da ich den Betrieb kenne: es liegt an organisatorischer Unfähigkeit der Klinikleitung. Gepaart mit der Unlust der Angehörigen des “freien” Berufs sich zu etwas, irgendetwas, zwingen zu lassen. Und an der Respektlosigkeit gegenüber der Zeit der zahlenden Kundschaft, bzw. daran, dass die Krankenkassen das Problem ihrer Mitglieder ignorieren und die Ärzte deshalb seit Jahrzehnten machen können was sie wollen.

      Zunehmende Möglickeiten der Arztbewertung durch Patienten wird das aber langsam ändern. Es wird dauern, aber es wird Verlierer geben: rücksichtslose Schlampen der Zeitvergeudung. Das werden die Verlierer sein. “Und das ist auch gut so!”

    • Hi Wolf,
      ich hab’ die Geschichte (auch vor dem Termin in der Ambulanz) bei Dir im Blog ja mitbekommen und weiß, wie sehr Dich das geärgert hat und immer noch ärgert.
      “Respektlos” ist übrigens eine auch eine sehr gute Beschreibung meines Empfindens bei langen Wartezeiten.
      Allerdings ist das von Dir beschriebene Phänomen in größeren Kliniken auch besonders stark ausgeprägt. Umso schlimmer, wenn tatsächlich schnelle Hilfe (objektiv) benötigt wird. Ging mir auch schon so.

      Aber die “emotionslose” Betrachtung war mir in diesem Fall recht wichtig, weil ich es mir weiterhin einfach nicht erklären kann und es nachvollziehbar darstellen wollte.
      Ein wenig Planung und Kalkulation und alle wären zufrieden. Patienten ohne lange Wartezeiten und Ärzte mit sehr viel geringerem Zeitdruck, insbesondere bei forschreitender “Behandlungsstunde”.

    • Wolf sagt:

      «Zufriedenheit» wird von Ärzten, jedenfalls wenn es um die der Patienten geht, gerne als «weicher» Indikator bezeichnet. Ganz anders, wenn es um die Zufriedenheit der Ärzte geht. Wenn die Angehörigen des Stands in der Praxis «aufschlagen» wird das geändert. Die Konditionen verlangen zunehmend ein Mindestmaß an wirtschaftlichem Denken. Und die häufigere Möglichkeit von Patientinnen und Patienten sich öffentlich zu äußern, dem Unmut Luft zu machen, eine Plattform für Kritik zu finden siehe hier z.B. wird dazu führen, dass Lernen auch zu diesem Thema modern wird. Mit jungen modernen Ärzten lässt sich da was machen, und auch alte Chefärzte sind nicht unersetzlich, man muss denen nur auch mal kündigen wollen. Solange die Geschäftsführer ihre Muskeln aber nur am Pflegepersonal auslassen …

    • michael sagt:

      @ Wolf: Was mich an deinem Unmut mehr als verwundert ist die Tatsache, daß du dies freiwillig bei einem Nachsorge -Termin, der laut deiner Aussage doch nicht von dir sondern von der Klinik gewünscht war mitmachst. Außerdem finde ich es mehr als merkwürdig, daß du die Zufriedenheit mit deinem Arzt an der Länge oder Kürze der Wartezeit festmachst, aber jeder soll seine eigenen Kriterien haben; dies ist ein freies Land. Zum guten Schluß finde ich es bemerkenswert alle “Frei” Berufler über einen Kamm zu scheren und sämtlichen Ärzten Unlust und Respektlosigkeit zu bescheinigen. Ich freue mich schon darauf, wenn Du mal ein mieses Brötchen erwischst und dann einen flammenden Blogbeitrag gegen sämtliche Bäckereien dieser Republik verfasst. ;-) P.S. Dürfte irgendwie klar sein, daß ich zu den “rücksichtslosen Schlampen der Zeitvergeudung” gehöre, oder!

      @Christoph: Unser erstes Zeitmanagement System haben wir vor 18 Jahren eingeführt, zwar können wir bis auf ca. 2 Minuten genau sagen , wie lange eine entsprechende Behandlung dauert, aber ganz reibungslos funktioniert das eben doch nicht immer, obwohl in der Regel niemand länger als 10 Minuten warten muß.
      Warum ist das so:
      Sollte jemand zu Praxisbeginn als Notfall erscheinen und muß sagen wir 1,5 std operiert werden, so warten Patienten, die teilweise vor 4 Wochen ihren Termin vereinbart haben eben diese 1,5 std, diesen Zeitverlust können wir einzig durch Verzicht auf unsere Mittagspause wieder gutmachen. Dies mag zwar rücksichtslos erscheinen, aber die Alternative wäre eine unterlassene Hilfeleistung und die wirst Du wohl von keinem der Ärzte erwarten können. Der zweite Grund, daß es zu Wartezeiten kommt sind unklare Angaben von Patienten (kann man auch nicht immer erwarten) bei der Terminvereinbarung. Termin zur Kontrolluntersuchung vereinbart ca. 10 Minuten, dann soll aber noch rasch eine PZR gemacht werden ca. 35 Minuten und die kleine Füllung, natürlich mit Injektion etwa 9 Minuten. Alles klar oder hättest Du die Antwort gerne ausführlicher. :-)
      Viele Grüße
      Michael

    • Der guten Ordnung halber sollte ich vielleicht noch erwähnen, daß die maximale Wartezeit bei meinem Zahnarzt bisher zehn Minuten betrug ;-)

    • Wolf sagt:

      @Michael: sollte ich tatsächlich «alle Freiberufler» und nicht ziemlich genau bezeichnet haben welche von denen? Die Teilmenge ergibt sich vielleicht bei einem zweiten Lesen doch. Aber damit Du Dich freust: bei meinem Dentisten (der sich schütteln würde, würde ich ihn mit Ärzten in einen Topf schmeißen, die Präsidentenriege der KZBV würde sich auch verwahren) habe ich auch noch nie länger als 10 Minuten gewartet, wenn überhaupt. Mit meiner schwerbehinderten Tochter macht er immer den letzten Termin des Tages damit dann nicht eventuell jemand unziemlich lang warten muss (und er nimmt ihr und anderen behinderten Kindern grundsätzlich keine 10 € ab). Und natürlich gehe ich jetzt in eine andere Klinik, hatte ich vergessen das zu erwähnen? Den Dentisten habe ich übrigens gewechselt als sie mir nach einer Wurzelresektion mal erklärte «Das kann gar nicht weh tun.» Soll ich ausführlicher erklären was an dem Spruch dämlich ist und welcher Molar? Nix für ungut. Pünktlichkeit ist ein Zeichen guter Erziehung (des Patienten). Einhaltung des Termins seitens des Arztes ist ein Zeichen von Respekt. Und Ausnahmen (!) bestätigen die Regel.

    • michael sagt:

      @Wolf: Nur zu Info!
      Patienten sind bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres von der Praxisgebühr befreit.
      Viele Grüße Michael

    • Wolf sagt:

      @Michael: so sind die Eltern behinderter Kinder, meist selbst schon Silbersurfer nennen sie ihre Brut auch dann noch Kind, wenn diese das 18. Lebensjahr längst vollendet haben. Wollte also sagen: der Mann hat da einen Grundsatz, vor dem ich mindestens als Mitbetroffener Respekt habe, würde deshalb niemals alle solchen in ein Töpfchen werfen.

    • Hendrik sagt:

      hallo.
      Wartezeiten bei Ärzten sind wirklich nervig, doch zum Teil auch verständlich. In KLiniken gibt es einen großen Organisationsaufwand und es kann immer etwas dazwischenkommen. Meist sind die Ärzte gnadenlos unterbesetzt und gehen auf dem Zahnfleisch. In Praxen müssten sie eigentlich kalkulieren können, doch auch da kann es schnell zu Wartezeiten kommen, wenn zB ein Patient noch mehrere Anliegen hat als erwartet, da kann man ihn ja nicht einfach abschieben.
      LG
      Hendrik

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