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Überlegungen zur Blogstudie

10. Februar 2007 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Off Topic

Jörg berichtete gestern über die Ergebnisse der Blogstudie 2007 und ich habe eine ganze Zeit überlegt, ob ich bei Ihm einen Kommentar hinterlasse oder mich zu dem Thema hier äußere. Ich habe die zweite Variante gewählt.

Damit Ihr versteht, warum ich mich so entschieden habe, darf ich auf einen meiner letzten Beiträge verweisen, der mir spontan in den Sinn kam, als ich mir den Artikel von Jörg durchlas, wobei dieses Beispiel nur exemplarisch für einen Teilaspekt meiner Argumentation steht.
So wie ich anfangs nicht auf den Gedanken kam, einen Anwendungsbezug eines Trainingsgerätes für andere Krankheitsbilder außer Rückenschmerzen herzustellen, orientiert sich die Gilde der PR’ler und Medienschaffenden nach meiner Meinung oftmals zu sehr am eigenen Umfeld.

Das Schöne an meinem Beruf ist, daß ich bei meiner Arbeit tatsächlich einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ‘geboten’ bekomme und tagtäglich Unterhaltungen führen darf, die über das gewöhnliche Maß an flüchtigen Kontakten hinaus gehen.
Bei diesen Unterhaltungen habe ich festgestellt, daß 99% der Grundgesamtheit keinen blassen Schimmer hat, was ein Weblog ist, geschweige denn darüber informiert ist, welche Funktionen diesem Instrument z. B. bei der Meinungsbildung zugeordnet werden können.

Jörg interpretiert die Ergebnisse der Blogstudie unter anderem folgendermaßen:

Ebenso sollte aber auch deutlich werden, dass die Entwicklung in Deutschland erst in einem frühen Stadium ist.

Das ist im Hinblick auf diese Studie wohl richtig, aber vergessen wir nicht, wie sich die Stichprobe zusammensetzte:

Denn an der Umfrage beteiligten sich insbesondere Trendsetter und Heavy-User des Webs. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass 96% der Befragten (mehrmals) täglich im Internet sind. Davon haben 87,3% schon einmal ein Blog genutzt und sogar jeder Dritte (34,6%) schreibtselbst ein Weblog. Blogstudie

Also, es wurden ca. 600 Heavy-User befragt, die mehrheitlich Blogs nutzen, und von denen ca. 50% der Meinung ist, Blogs könnten einen Einfluß auf die Meinungsbildung ausüben. Wie würden sich die Ergebnisse wohl bei einer wirklich repräsentativen Umfrage darstellen ?

Ich bin mir sicher, von 100 Normal-Usern, die ein Weblog über eine Suchabfrage ansteuern, wissen mindestens 95 gar nicht, daß es ich um ein Weblog handelt, wenn nicht Weblog ‘drüber steht. Für sie ist es eine ‘ganz normale’ Internetseite. Sie wissen nicht, warum diese Seite in den ersten 10 Ergebnissen der Suchabfrage aufgetaucht ist und das diese Platzierung Ergebnis einer suchmaschinenfreundlichen Gestaltung und u. U. hervorragenden Vernetzung ist, die einen Faktor der potentiell meinungsbildenden Wirkung (im Internet – und auch nur dort) darstellt.
Ich gehe sogar noch weiter:
Von 100 ‘normalen Firmen’, die den Namen Ihres Produkts in eine Suchmaschine eingeben und dort an Position 2 den Beitrag eines Bloggers finden, wissen mindestens 95 nicht, daß es sehr sinnvoll sein könnte, über die Kommentarfunktion bei diesem Blogger ein Spur zu hinterlassen, weil dies zukünftig als positive Unternehmenskommunikation gewertet werden könnte.

Ich komme aus einer ganz anderen Branche als Ihr, und habe erstmal ein halbes Jahr gebraucht um zu verstehen, wie man ein Weblog ‘konstruieren’ muß, um überhaupt seriös wahrgenommen zu werden. Anfangs habe ich Fehler in der Struktur meiner gesamten Webseite gemacht, die sich jetzt nur noch schwer korrigieren lassen. Ich verstehe langsam, daß neben der allgemeinen Vernetzung nochmals Makro- und Mikrovernetzungen bestehen und daß es für jede dieser Vernetzungen nochmals bestimmte Regeln gibt, die zusätzliche Wirkungen freisetzen.
Für diese Erkenntnisse habe ich nicht deshalb so viel Zeit benötigt, weil ich besonders schwer von Begriff bin, sondern weil ich zuvor niemals etwas mit der Materie zu tun hatte. O. k. – ich hatte schon früher eine Webseite, aber da habe ich einfach in eine Online-Schablone geschrieben um ein paar Inhalte zu veröffentlichen und meine eigene Seite zu haben, aber das war’s auch schon.
Erst seit dem letzten Sommer beschäftige ich mich intensiver mit Details und ich kann Euch sagen, daß es nicht einfach ist, sich gleichzeitig um

  • gute Inhalte
  • entsprechende Vernetzung (insbesondere, weil es im Gesundheitsbereich keine mit den Bereichen Webdesign, PR, Technik etc. vergleichbare Vernetzung gibt)
  • Beteiligung im Netzwerk über Kommentare und
  • optimalen Seitenaufbau

zu kümmern, wenn man als Newbie einsteigt.

Insofern bin ich der Meinung, daß sich die Entwicklung der Weblog bestenfalls im Embryonalstadium befindet, was aber nicht heißen soll, daß ich Weblogs kritisch gegenüber stehe. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto überzeugter werde ich, auch in den nächsten Jahren dieses Instrument persönlich und vielleicht auch irgendwann beruflich zu nutzen.

Im ersten Satz seines Fazits verwendet Jörg übrigens drei Wörter, die ganz entscheidend für die zukünftige Entwicklung von Weblogs sein werden. Er schreibt:

(…) die viele Blognutzer und Blogger bereits am eigenen Leib erlebt, als Trend gespürt und persönlich wahrgenommen haben dürften (…)

Warum entscheidend ? Weil das ‘Virus Weblog’ seinen Zauber und seine Macht erst dann voll entfaltet, wenn man es am eigenen Leib erlebt, gespürt und wahrgenommen hat.

Kommentare:

3 Kommentare zu “Überlegungen zur Blogstudie”
    • Thorsten sagt:

      Frag mich, warum es “Studie” heißt…
      Schöner Beitrag – kann ich so unterschreiben.

    • Alexander sagt:

      Klasse Beitrag! Deine Beobachtungen decken sich zu 100 % mit den meinen wenn ich mit Unternehmern und Führungskräften über das Thema spreche.

      Was mich grundsätzlich an der Diskussion stört, ist das selbstreferenzielle Weblog-Gerede. Es geht um ein Medium mit tollen neuen Möglichkeiten, die erst ganz am Anfang stehen. Ich würde am liebsten den Begriff Weblog vermeiden, da er eine ziemliche Hürde aufbaut.

      Es ist schon ein bischen wie damals. Damals als sich das WWW (WWW ungleicht Internet, by the way) entwickelt hat. Von einer überschaubaren Freak-Veranstaltung hin zu einem nicht mehr wegzudenkenden Kommunikationswerkzeug.

Trackbacks

Das sagen andere Blogs zu diesem Artikel:
  1. Umfrage: Blogs und die öffentliche Meinung…

    Hmm… sicherlich ist diese Umfrage nicht repräsentativ und das Ergebnis durch einige Fehlstimmen etwas verfälscht, aber dennoch hat mich die fast gleichmäßige Stimmenverteilung überrascht und ein nicht unerheblicher Teil hat sogar für eine s…



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