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Sportstadt Wiesbaden ?

29. Oktober 2006 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Bandscheiben

Eins vorab:
Ich bin Wiesbadener – ein echter !
Bereits im Alter von 5 Jahren begann ich meine sportliche Laufbahn im Schwimm-Club Wiesbaden (SCW), war aktives Mitglied im SV Wiesbaden, TV Erbenheim und LC Olympia Wiesbaden.
Ich war kein ‚nationaler Held’, aber auf Hessen- und Süddeutscher Ebene immer mal wieder auf vorderen Positionen zu finden. Oft an deutschen Meisterschaften teilgenommen usw.

photocase629553764571Als ‚Spielerinnenmann’ (das ist das männliche Pendant zu ‚Spielerfrau’) habe ich jahrelang am Bundesligageschehen im Frauenhandball von Schwarz-Weiss Wiesbaden und Eintracht Wiesbaden teilgenommen.
Ich habe sogar mein Hobby zum Beruf gemacht und Sport studiert (in Mainz, denn Wiesbaden bietet leider kein Sportstudium an). Als Diplom-Sportlehrer weiß ich also im sportlichen Bereich, wovon ich rede.
Damit nicht genug – vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Masseur u. med. Bademeister gemacht und konnte somit während meines Studiums und auch in der Zeit danach zahlreichen Wiesbadener Sportlern (und Sportlern aus dem Umkreis) wieder ‚auf die Beine helfen’. Das mache ich heute noch, den ich arbeite in einem ambulanten Rehazentrum in Wiesbaden, daß zahlreiche Wiesbadener Sportler im Zuge ihrer Rehabilitation nach Verletzungen aufsuchen.

Ich habe also seit 32 Jahren engsten Kontakt mit der aktiven Wiesbadener Sportszene.
Diese Fakten zur Information all derer, die beim Lesen des Artikels jetzt aufschreien werden: “Wie kann er es wagen ?” Ich kann und darf es, denn als Wiesbadener mit diesem Hintergrund bin ich qualifizierter Teil der städtischen Sportlandschaft !

In den letzten Jahren habe ich immer wieder Diskussionen und Beiträge zum Thema ‚Sportstadt Wiesbaden ‘ in den Medien verfolgt.
In diesem Zusammenhang ziehen Funktionäre und Politiker argumentativ immer gerne mit Statistiken ins Feld, die Wiesbaden als Sportstadt ausweisen. Man solle Erfolge nicht an der Zugehörigkeit in höchsten Klassen von Populärsportarten wie Fussball und Handball messen. Vielmehr müsse man die Ergebnisse in der Breite des Sports betrachten. Selbstverständlich sind derartige Erfolge statistisch nachweisbar (ich habe selbst eine sportstatistische Diplomarbeit geschrieben) aber mal ehrlich: Welcher 10jährige kauft sich ein Trikot mit der Aufschrift ‚26% Breitensport’ ? Welcher ‚Bambino’ hat die Spieler der ersten Mannschaft eines Bezirksligisten als Vorbild ? Wieviele Jugendliche jubeln beim Pfingstturnier in Wiesbaden mit ? Wie kommt ein Duchschnitts-Wiesbadener an Karten für den Ball des Sports ? Wer weiß schon, was eine Koronarsportgruppe ist ?

Statistiken ersetzen keine Begeisterung , liebe Sportpolitiker. Sie können auch keine hervorrufen; insbesondere nicht bei Jugendlichen, die Statistik einen feuchten Kehricht interessiert !
Idole, Spaß, Gemeinschaft, Begeisterung – das reißt Jugendliche und auch Erwachsene vom Hocker.
Kiddies wollen Fahnen schwenken, sich die Gesichter bemalen und mitfiebern.
Denken Sie an die Atmosphäre in einer ausverkauften Sporthalle oder einem gefüllten Fussballstadion. So etwas motiviert zum mitmachen und nicht die statistische Bilanz eines Sportkreises.
Weinerlich wird immer wieder verkündet, daß an jeder Ecke Nachwuchs und ehrenamtliche Mitarbeit fehlt. Klar, denn ein Computerspiel ist vielfach spannender als Ereignisse im Bereich der Wiesbadener Sportlandschaft.
Es muß nicht immer Fußball sein und auch nicht die erste Liga. Aber was glauben Sie, wieviele Kids davon träumen, in die Jugendmannschaften unseres Nachbarn SV Wehen aufgenommen zu werden und entschlossen auf dieses Ziel hin trainieren ?
Wie einfach wäre es, eine ‚Jugendabteilung Handball’ zu finanzieren, wenn ein Handball-Bundesligist in Wiesbaden spielen würde ? Sie haben vollkommen Recht – es müssen nicht immer die populären Sportarten sein. Aber die ziehen die Massen und vor allem Massen von Kindern und Jugendlichen in ihren Bann . Und nur wenn dieser ‚massive’ Unterbau heranwächst, kann es gelingen die von Ihnen geforderten ‚gefüllten Hallen’ zu erreichen.

Ich habe den ‚Unter- und Abgang ’ von vielen erfolgreichen Mannschaften und Einzelsportlern in Wiesbaden erlebt und möchte an dieser Stelle nochmals kurz die tragischsten in Erinnerung rufen:

· SVW (Fussball-Oberliga)
· Schwarz-Weiß Wiesbaden (Handball – 1. Frauen-Bundesliga)
· Eintracht Wiesbaden (Handball – 2. Herren-Bundesliga)
· Angela Maurer (Schwimmen – Weltcupsiegerin, Vizeweltmeisterin usw.)
· Helge Meeuw (Schwimmen – Europameister)

Sie werden jetzt sagen: “Dafür waren auch andere Faktoren im Hintergrund verantwortlich”.
Kann ja sein, aber wer verspricht, so schwierige Projekte, wie z. B. Schaffung von Arbeitsplätzen, Senkung der Gewerbesteuer, Finanzierung des Museums etc. zu verwirklichen, sollte doch in der Lage sein, ein paar Sportler in Wiesbaden zu halten.
Wenn sich führende Stadtpolitiker über die vielen Baustellen in Wiesbaden freuen, dann können sie auch noch ein weiteres Loch graben.
Dieses Loch könnte dann mit einem Fundament für visionäre Sportpolitik gefüllt werden. Denn mit Visionen im Hinblick auf die Stadtentwicklung wird ja auch an anderen Stellen nicht gegeizt – warum dann im (Spitzen-) Sport ?

Gerade gestern konnte ich im Wiesbadener Kurier lesen, daß der Kandidat für das Amt des OB, Helmut Müller, eine Liebeserklärung an Wiesbaden abgegeben hat: “reich, aber sexy ”.
Insbesondere weil sich Herr Müller bei erfolgreicher Wahl zum OB auch gerne als Sportdezernent betätigen würde, könnte er doch dann einen Teil dieses, mit Sicherheit in Wiesbaden vorhandenen Reichtums , auch für den Sport verwenden bzw. mobilisieren.
Wenn die ganzen schönen Plätze und Foren alle fertiggestellt sind, würde sich doch ein (oder mehrere) wöchentliches Großsportereignis in Wiesbaden auch gut machen.
Dann müßten auch die vielen Zuschauer nicht mehr den Weg auf die andere Rheinseite oder nach Frankfurt auf sich nehmen, sondern könnten in ihrer Heimatstadt bleiben.
Ich zumindest würde mir mit Vergnügen drei Lilien ins Gesicht malen, wenn ich in die Halle oder ins Stadion gehe.

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