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Ranking-Faktoren: der Erkenntnis-Algorithmus

29. März 2009 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: SEO

Berufsbedingt sehe ich mir in regelmäßigen Abständen die Seiten diverser Therapie-/Massageanbieter an.
Dabei fällt auf, daß in vielen deutschen Städten bei der Suchabfrage “Massage Stadt” (wobei “Stadt” für die jeweilige Stadt steht ;) ) bestimmte – ääh – “Energie/Erkenntnis”-Massagen sehr gut in den Suchergebnissen positioniert sind.

Allerdings muß, so wie ich es verstehe, bei diesen Massagen zwischen Anbietern unterschieden werden, die sich

  • der Erkenntnislehre im ursprünglichen Kontext nähern und
  • Instituten, die durch handwerkliches Geschick dem meist männlichen Besucher eine “sehr schnelle Erkenntnis” verschaffen.

Letztere sind in den Suchergebnissen für o.g. Suchabfrage meist deutlich besser positioniert.

Dies wiederum kann nicht an der SEO-Performance der Seiten liegen (diesbezüglich sind sie meist abgrundtief schlecht aufgebaut), sondern andere Mechanismen müssen für das Ranking verantwortlich sein.
Im letzten Jahr beobachtete ich zwei relativ frische Seiten, die sich mittlerweile für “Massage Stadt” unter den Top 3 etabliert haben. Bis auf den Seitentitel und massenhaft Metas gibt es auf den ersten Blick nichts, was Google zu einer Ergebnisauslieferung für die genannte Suchabfrage bewegen dürfte. Sie sammelten kaum nennenswerte, insbesondere keine gewichtigen Backlinks, haben wenig auslesbaren Text ohne echte Überschriften, keine anständig beschrifteten Bilder, niedrigen PageRank usw. – und dennoch kletterten die Seiten Woche für Woche kontiniuierlich in den Serps nach oben. Also müssen andere als die handelsüblichen Faktoren über die Positionierung entscheiden – z.B. der Erkenntnis-Algorithmus (auch Besucherverhalten genannt):

  • Der Besucher gibt “Massage Stadt ” in das Suchfeld ein, weil er weiß daß manche Massagen zur “schnellen Erkenntnis” führen und er ad hoc das große Bedürfnis hat, den Weg dieser Erkenntnis zu beschreiten.
  • Auf Seite 5 der Ergebnisse findet er, was er sucht und weil so viele schöne Fotos des Instituts und der “Erkenntnis-Lehrerinnen” auf der Seite platziert wurden, bleibt er gaaanz lange dort und klickt gaaanz viel herum.
  • Google “denkt” sich daraufhin:”Ui, da hat jemand etwas gesucht und gefunden und ist gaaanz lange auf der Seite geblieben – das Angebot scheint recht interessant und relevant für die Suchabfrage zu sein”.
  • Und weil es sich um eine recht eingegrenzte/spezielle Abfrage handelt und bestimmte Bedürfnisse (s.o.) ganz häufig befriedigt werden wollen, passiert das mehrmals am Tag. Auf ein Ergebnis auf Position 54 wird also häufiger geklickt und der Besucher verweilt länger auf der Seite als bei einem Ergebnis unter den ersten 10 Treffern.
  • Google: “Nein, auf Position 54 gehört das Institut nicht, ich pack’ den Erkenntnis-Praktiker auf Position 44, weil er so oft geklickt wird und die Besucher so lange bleiben.”
  • Auf Position 44 wird es (das Institut) dann auch tatsächlich schneller gefunden, noch mehr Leute klicken auf das Ergebnis und bleiben auch gaaanz lange zu Besuch.
  • Und wieder “denkt” sich Google::”Ui, da hat jemand etwas gesucht und gefunden und ist gaaanz lange auf der Seite geblieben – das Angebot scheint recht interessant und relevant zu sein”, also weiter nach oben in den Ergebnissen.
  • [...]

Ich denke, das Prinzip dürfte klar sein. Manchmal braucht es gar keine durchoptimierte Seite, sondern lediglich ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Erkenntnis inkl. der potentiellen Befriedigung desselben und medizinische Anbieter haben keine Chance mehr.

Und was lernen wir daraus? Google kann auch die Funktion einer Bedürfnisanstalt erfüllen orientiert sich offensichtlich weitaus mehr als gedacht am Besucherverhalten ;-)

Kommentare:

10 Kommentare zu “Ranking-Faktoren: der Erkenntnis-Algorithmus”
    • Horst sagt:

      Und woher weiß Google, wie lange sich die Besucher auf der Seite aufhalten? Wenn dort kein Google-Dienst eingebunden ist, wirds schwierig. Und die Anzahl der Klicks sagt auch nix, ein optimaler Treffer erfüllt die Suchgelüste ja sofort und schnell.

      Also selbstverständlich nutzt Google Erkenntisse über das Besucherverhalten. Aber ganz so einfach ist es nicht. Vor allem glaube ich nicht, dass eine Seite an Position 54 überhaupt genug Klicks für irgendeine Auswertung bekommt.

    • Elmar sagt:

      Das sehe ich wie Horst. Wenn die kein Google-Analytics eingebunden haben, dann geht nur die Anzahl der SERP-Klicks in die Berechnung ein (was sein könnte), nicht aber die Bounce-Rate bzw. Verweildauer.

      Und solltest du bei Google eingeloggt sein und häufiger auf Seiten der Erkenntnistheoretiker und -praktiker geklickt haben, dann wird Google dir diese Links im eingeloggten Zustand ein wenig nach oben schieben.

    • @Horst
      Wenn das Bedürfnis ausreichend groß ist, klickst du dich auch bis Position 54 (wobei das nur ein Beispiel war) durch, wenn 1-53 nicht lieferten, was du gesucht hast.
      @Elmar
      Selbstverständlich habe ich im nicht eingeloggten Zustand die Positionen überprüft bzw. ein Tool verwendet.
      @beide
      Die Seiten setzen kein Analytics ein. Das hätte ich im Artikel erwähnen sollen. Ich gehe davon aus, daß trotzdem Daten über das Besucherverhalten ausgewertet werden. Sei es über ein “eingeloggtes” Google-Konto im Verbindung mit dem Webprotokoll, der Toolbar oder was auch immer. Immerhin entspricht die potentielle Kundengruppe dem Typ Internetnutzer, der allerlei Dienste nutzt und weiß, wie er zu suchen hat.

      Ich schick’ euch beiden mal einen Link ;-)

    • Leilah sagt:

      Wer eine medizinische Massage braucht, dem sagt doch ganz klar der Hausarzt, wo er hingehen kann. Oder die Frau Nachbarin. Also muss Mann danach nicht lange im Internet suchen.
      Damit hat Google schon recht, die “erotischen Massagen” nach oben zu ziehen. Außerdem sind die Seiten gar nicht so klein geraten; ich hab das mal überprüft. Bei einem Massageinstitut hatte allein das Gästebuch eine dreistellige Zahl von Einträgen.
      Aber prinzipiell sieht Frau an dieser Diskussion mal wieder, dass “Massage” hier als reine Männerdiskussion stattfindet, und wider mal sind die (exterenen) Frauen die Dienstleisterinnen.
      Massage-Angebote für Frauen hab’ ich jedenfalls nicht finden können, außer medizinisch indizierten ;-)

    • Wer redet den von erotischen Massage, Leilah – was du wieder denkst.
      Hier wird der Pfad der Erkenntnis beschritten ;-)

    • Leilah sagt:

      Den Pfad der Erkenntnis betritt wohl nur der, der vom Pfad der Tugend abweicht, seine Erfahrungen mit der Massage macht und in Erkenntnis umsetzt?
      Vielleicht gibt es dann noch einen Pfad der Erleuchtung?
      Sicher, Du hast recht, Christoph: Erotisch ist dieses Treiben nur zum kleinsten Teil, weil nicht von Eros motiviert.
      Da fällt mir ein: Einige meiner Schwestern sind der Meinung, dass erotische Massagen auch einen sehr hohen gesundheitlichen Wert haben – das gilt doch auch für Männer ;-)

    • Über das, was tugendhaft sein soll, wird doch meines Wissens immer noch gestritten?!
      Vielleicht sollte ich daher die Erleuchtung durch temporär-subjektive Glückseligkeit ersetzen. Denn Glückseligkeit hat mit Sicherheit einen hohen gesundheitlichen Wert ;-)

    • nicole sagt:

      Jetzt fang aber nicht auch noch mit Hirschhausen an…;-)

    • Die Vorstellung heißt: “Willkommen im Laien-Philosophicum” ;-)

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