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Pathologisches Projektmanagement

12. Februar 2008 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Bandscheiben, Medizin, Rückenschmerzen

“Bis wann ist das wieder in Ordnung ? Was kann ich noch machen, um den Vorgang zu beschleunigen ? Am besten 5 Termine pro Woche, denn im nächsten Monat fliege ich geschäftlich nach Asien, bis dahin muß ich wieder fit sein.”

Nur einige Beispiele, die veranschaulichen sollen, mit welcher Einstellung Patienten aus dem “höheren Management” (bei diesen Personen fällt es mir besonders oft und deutlich auf) mit ihren Verletzungen/Krankheitsbildern umgehen. Es findet nicht selten eine Entpersonalisierung bzw. Abkopplung des krankhaften Zustand von der eigenen Person statt – ich wüßte nicht, wie ich es anders beschreiben könnte.
Scheinbar kommt einem unmittelbarer Transfer der Vorgehensweisen aus der Arbeitswelt in Richtung Behandlung des eigenen Körpers.
Ein krankhafter Zustand wird gewissermaßen als Projekt betrachtet, bei dem gewisse Schwierigkeiten ausgeräumt werden müssen. Es gibt eine Strategie, die konsequent abgearbeitet wird. Einzelne Teilprojekte werden den unterschiedlichen Therapiebereichen zugeordnet, Zwischenziele müssen erreicht werden, da sonst das ganze Projekt zu scheitern droht.
Gerät der Zeitplan ins Stottern, wird mit erhöhtem Aufwand “nachgelegt”.

Jetzt sollte man meinen, daß der Körper nicht als Projekt betrachtet werden kann, daß gewisse Heilungs- und Regenerationsprozesse nicht planbar sind und das ein höherer Aufwand nicht unbedingt einen größeren gesundheitlichen Ertrag, sondern unter Umständen das Gegenteil bewirkt.

Aber: seltsamerweise funktioniert diese Form des Projektmanagements in den meisten Fällen, was mich immer wieder auf’s Neue überrascht.
Die betreffenden Personen arbeiten professionell und unbeirrbar Ihr Soll ab, keine Termin wird verpaßt, keine Übung ausgelassen – richtige Therapie-Terminatoren ;-)
Und, wie gesagt, es führt in den meisten Fällen zum gewünschten Erfolg, und hat überhaupt keinen Sinn, mit irgendwelchen “in den Körper hören”-Argumenten anzukommen. Dieses Projekt wäre zum Scheitern verurteilt.

Was will ich damit sagen ? Es hat oftmals keinen Sinn, gegen die Grundeinstellung bestimmter Patienten zu arbeiten, weil das Durchsetzen eigener “Philosophien” viel zu hohe Widerstände erzeugen würde. Das ist aber keinesfalls mit Resignation gleichzusetzen, sondern eher mit der Erkenntnis, daß viele Wege zur Gesundung führen.

Gegen die “Natur” eines Menschen/Patienten zu arbeiten, ist hingegen aus meiner Sicht eine Verschwendung von motivationaler Substanz.

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