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Mi Shu im (sportlichen) Test

Knapp 2 1/2 Jahre nach meinem Beitrag zum Mi Shu hatte ich in den letzten zwei Wochen die Gelegenheit, das Design-Sitzmöbel ausgiebig zu testen.

= > Wie immer ist diese Produktbewertung/-vorstellung mit keinerlei “Aufwandsentschädigung” verbunden.

mi-shu
Bild copyright – mit freundlicher Genehmigung von Mi Shu

Nach einer ausführlichen Produkteinweisung durch eine Mitarbeiterin von Frau Wander, Frau Glück, wurde mein alter Holz-Bürostuhl sofort gegen den Mi Shu ausgetauscht. Sicher fragt ihr euch jetzt, wozu man eine Produkteinweisung bei einem Stuhl benötigt – fragte ich mich auch.
Tatsächlich kann aber aufgrund der vielen Optionen des Mi Shu (die sich erst auf den zweiten Blick erschließen) eine kleine Schulung nicht schaden ;-)

Beim normalen Sitzen gibt es – theoretisch – vier (Bewegungs-)Optionen und -kombinationen, die über einen Gelenkmechanismus realisiert werden können:

  • Eingelenkig I:
    (Becken-)Kippung und Aufrichtung, also Beweglichkeit der Sitzfläche nach vorne und hinten.
  • Eingelenkig II:
    Seitliche Beckenbewegung, also Beweglichkeit der Sitzfläche nach rechts und links in die seitliche (Becken-)Kippung.
  • Zweigelenkig I:
    Eingelenkig II (s.o.) als oberes Gelenk, Eingelenkig I als unteres Gelenk (im Handbuch beim doppelgelenkingen Aufbau empfohlen).
  • Zweigelenkig II:
    Eingelenkig I als oberes Gelenk, Eingelenkig II als unteres Gelenk, wobei diese Option im Handbuch (das ich bis eben nicht gelesen habe 8-) ) nicht vorgesehen ist.

Die Verarbeitung des Mi Shu ist hochwertig, alles besteht aus massivem, glatten Holz (in unterschiedlichen Holzarten verfügbar). Als Sitzauflage steht ein Kissen zur Verfügung, das mit “sattem” Leder überzogen wurde (riecht sehr gut, scheint mit Kokosfasern(?) gefüllt zu sein und hat eine rutschfeste Unterseite). Die Sitzhöhe des Stuhls kann durch Aufstecken von Höhenleisten individuell angepasst werden (geht ruckzuck in wenigen Sekunden).
Längeres Sitzen ist anfangs gewöhnungsbedürftig, da die instabile Unterstützungs-/Sitzfläche (die den Namen bedingt durch die nah am Körperschwerpunkt befindlichen Gelenke wirklich verdient) dem Sitzenden ein bewußtes Sitzen abverlangt. Die zwei Gelenke des Mi Shu versetzen LWS und Becken dauerhaft in leichte, dreidimensionale Bewegung, was die Aufmerksamkeit anfangs eher auf das “Trainingsgerät” als auf die zu erledigenden Aufgaben am Schreibtisch lenkt. Nach kurzer Zeit laufen die Steuerungsprozesse jedoch unbewußt ab und man kann sich wieder voll auf’s Bloggen und/oder Arbeiten konzentrieren.
Zwischendurch meldete sich in den ersten Tagen immer wieder das Bedürfnis des Gewohnheitstiers, zu meinem alten Stuhl wechseln zu wollen und die statische Sitzposition einzunehmen, aber die Gesamtdauer des neuen, dynamischen Sitzens wurde immer länger (wobei ich ohnehin alle paar Minuten aufstehen muß, um mich insgesamt zu bewegen).
Der Aufforderungscharakter des Mi Shu ist übrigens sehr hoch. Jeder, der “das Gerät” in den vergangenen Tagen erblickte, wollte testsitzen und ausprobieren. Alle Probanden legten dabei das äußerst interessante Verhalten der “respektvollen Annäherung” an den Tag. Also nicht das übliche Verfahren:

  • Ah, neuer Stuhl – reinfallen lassen und probesitzen, sondern
  • Sichten, drum herum schleichen, genauer inspizieren, anfassen, langsam und vorsichtig ‘draufsetzen, erste Bewegungen, Lächeln und/oder Erstaunen im Gesicht.

Aufgrund des Aufbaus und der Eigenschaften des Mi Shu kam es außerdem sehr schnell, wie es kommen mußte und er wurde als Trainingsgerät umfunktioniert, denn in ihm steckt diesbezüglich sehr viel mehr als die Herstellerin vermutet hat ;) . Mit geringstem Aufwand kann an jedem Ort auf nur zwei Quadratmetern der Arbeitsplatz als Mini-Gymnastikhalle genutzt werden (danke an Rino von Aita Sports, der sich für die Aufnahmen zur Verfügung stellte).

Mi Shu 1 Mi Shu 2 Mi Shu 3 Mi Shu 4 Mi Shu 5 Mi Shu 6 Mi Shu 7 Mi Shu 8 Mi Shu 9 Mi Shu 10 Mi Shu 11 Mi Shu 12 Mi Shu 13Mi Shu 14 Mi Shu 16

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

Fazit:
Um die Langzeitwirkungen des Mi Shu im Hinblick auf die evtuelle Linderung von bereits vorhandenen Rückenbeschwerden beurteilen zu können, wäre (zumindest in meinem Fall) auch ein echter Langzeittest notwendig. Unbestritten weist er aber aus meiner Sicht diejenigen Kriterien auf, die ein dynamisches Sitzmöbel ausmachen, und ist somit präventiv auf jeden Fall zu empfehlen. Ich verzichte dabei bewußt auf biomechanische Erläuterungen/Begründungen, weil sie einerseits niemand liest und andererseits jeder nach einem ersten Test wissen wird, daß die Kriterien erfüllt sind ;) Das Design ist genial, es wurden natürliche Materialien verabeitet und wenn er gerade nicht im Einsatz war, erfreute ich mich an der optischen Wirkung in guter Gesellschaft der anderen Holzmöbel hier im Raum. Neben der dynamischen Sitzfunktionalität eignet er sich bestens als Trainingsgerät, wobei die Abbildungen oben nur einen Ausschnitt denkbarer Übungen/Übungsvariationen zeigen.

Kommentare:

11 Kommentare zu “Mi Shu im (sportlichen) Test”
    • Thorsten sagt:

      Sehr schöner Bericht, vielen Dank dafür. Was ich allerdings vermisse sind Preisinformationen (auch auf der offiziellen Herstellerseite). Im Zeitalter der jederzeit verfügbaren Informationen ist es, wie ich finde, eher negativ behaftet, mit der Preisliste hinterm Berg zu halten. Das macht (auf mich) keinen guten Eindruck. Nur so als Tip für Frau Wander…

      Gruß
      Thorsten

    • Moin und danke für den Kommentar Thorsten,
      das ist das, was auch ich bei Mi Shu vermisse. War mir allerdings lieber, es wird im (1.) Kommentar angesprochen (und ich wußte, es kommt früher oder später 8-) ), als wenn ich es thematisiert hätte. So wird deutlicher, daß andere, potentielle Interessenten es genauso sehen, ohne daß vorab von meiner Seite darauf hingewiesen wird.

      Vielleicht ist es aber auch beabsichtigt, daß über eine eventuelle Preisanfrage ein persönlicher/menschlicher Kontakt hergestellt wird (der übrigens sehr angenehm ist, in keinem Call-Center landet und nicht auf der penetranten Vertriebsschiene läuft). Ist aber nur eine persönliche Vermutung, grundsätzlich befürworte ich die informative Barrierefreiheit, zu der auch eine Preisliste auf der Webseite gehört.

    • Thorsten sagt:

      Teile Deine Vermutung, evtl. soll auch ein hoher Preis zunächst nicht abschrecken. Bei mir funktioniert diese Taktik nicht und ich vermute, daß es bei vielen netzafinen Leuten ähnlich sein wird.

    • Maren sagt:

      Hallo Leute!

      Nicht alles was schön ist und gut funktioniert ist automatisch auch sicher.
      Der Hocker hat unzulässige Finger-Klemmstellen.
      Frage:
      Hat der Hocker ein GS Zeichen?

    • Tasco sagt:

      Der Mischu kostet laut Preisliste mit Doppelgelenk je nach Holzart ca. 660 bis über 1000 Euro. Da gibt es günstigere und vor allem betriebssicherere Alternativen: zum Beispiel der “Torso” für knapp 400 EUR, standardmäßig mit Doppelgelenk. Der Torso hat laut Hersteller (bauchtanzimsitzen.de) einen Höhenbereich von 43 bis 54 cm. Im Gegensatz zum Mischu kann der Torso auch nicht auseinander fallen, wenn man mal unachtsam aufsteht oder mit dem Stuhl hin- und her rückt, weil alle Teile fest miteinander verschraubt und nicht nur lose gesteckt sind.

    • Laut Herstellerangaben ist das MiShu Grundmodell bereits ab € 490,- erhältlich. Also deutlich günstiger als die oben erwähnten € 660,-

    • Jochen R. sagt:

      “Laut Herstellerangaben ist das MiShu Grundmodell bereits ab € 490,- erhältlich”

      @ Hr. Weigand:
      Ich weiß nicht, welche Herstellerangaben Sie haben, in der offziellen MiShu-Preisliste vom Februar 2014 kostet die billigste Variante des Stuhls (Buchenholz mit nur einem Gelenk ohne Kissen oder Zusatzleisten) bereits €630,70 zzgl. € 23,80 Versand.
      Da m.E. der Stuhl ohne das zweite Gelenk wenig Sinn macht und auch ein Sitzkissen in der Preisklasse eigentlich im Preis enthalten sein sollte, beträgt der effektive Preis eines kompletten Stuhls bereits in Buchenholz stolze € 863,40, in der Nussbaumvariante sogar € 1.363,20!

      Da wundert es mich nicht, wenn MiShu die Preisliste nur auf Anfrage und nach telefonischer “Beratung” herausgibt und auch dort den Nettopreis ohne MWSt. hervorhebt…
      In jedem Fall ist der MiShu Stuhl für mich keine Option, wenn das fast funktionsgleiche Modell Torso für weniger als die Hälfte des Preises (Vergleich in Buche) angeboten wird.
      Die Vertriebsstrategie von MiShu finde ich sehr ungeschickt und für einen Internetvertrieb nicht mehr zeitgemäß: Erst wird der Preis geheimgehalten, dann erscheinen in der zugesandten Preisliste für Privatkunden Nettopreise und schließlich wird selbst bei Stühlen, die über € 1.300 kosten, auch noch kleinlich Versandkosten aufgeschlagen.
      Darüber hinaus wird z.Zt. Werbung mit einem “kostenlosen” 30-Tage Test gemacht. Den Interessenten wird dann allerdings der Stuhl nur nach Zahlung einer Kaution von € 200 zugesandt, von der nach Testende mindestens € 30 (für Versandkosten etc.) einbehalten werden.

    • Pia sagt:

      Ich benutze den Stuhl nun seit mehr als 4 Jahren und sitze 5 Tage die Woche jeweils fast 8 Std. darauf. Vorher hatte ich jahrzehntelang Rückenprobleme (Bandscheibe, Hexenschuss usw.). Seit ich auf dem Mishu sitze – keine Probleme. Ich kann’s manchmal selbst nicht glauben, aber es ist so.
      Dieses Jahr war ich für 4 Wochen gezwungen, einen “konventionellen” Bürostuhl zu verwenden, und schon ging’s mit dem Rücken wieder los.
      Stimmt, ein Schnäppchen ist der Stuhl nicht, aber meinem Rücken tut’s gut. Bei der Verarbeitung gehe ich von einer Nutzung von mindestens 20 Jahren aus, da relativieren sich die Kosten. Bedeutet Internetvertrieb immer Schnäppchenangebote? Na dann Gute Nacht.

    • Pia sagt:

      Hab vergessen: Ja, die Fingerklemme ist Mist!

    • Maren sagt:

      @Tasco:
      Wenn wenn wir hier schon über Preise reden, dann geht’s noch günstiger als beim bereits deutlich günstigeren Torso – Hocker: Der Schwipp-Runner kostet mit Versand und 330€, inklusive 5 Stuhlrollen Stuhl-Rollen.

    • Maren sagt:

      @Tasco:
      Wenn wenn wir hier schon über Preise reden, dann geht’s noch günstiger als beim bereits deutlich günstigeren Torso – Hocker: Der Schwipp-Runner kostet mit Versand rund 330€, inklusive 5 Stuhlrollen.

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