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Linkethik

12. Februar 2007 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Off Topic

Gestern abend habe ich mich in einem privaten Mail kritisch zur ‘Linkethik’ eines im Bereich Gesundheit sehr aktiven Zeitgenossen geäußert (kein Blogger).
Das Wörtchen ‘Linkethik’ ist mir dabei ganz spontan eingefallen, ich hatte es einfach so heruntergeschrieben.
Danach habe ich allerdings noch einmal etwas genauer über den Terminus nachgedacht und überlegt, ob ich eigentlich im ersten Jahr des Bestehens meiner Seite eine für mich moralisch vertretbare Verlinkung aufgebaut habe, was für mich der Begriff Linkethik impliziert.
Was ist überhaupt ‘vertretbar’ in diesem Zusammenhang ? Gibt es diesbezüglich allgemeine Normen ? Zumindest scheint ‘Linkethik’ bisher nicht diskutiert worden zu sein, denn auf eine Suchabfrage (auch nicht mit Bindestrich) erhalte ich keine Treffer. Zwar kommt es zu thematisch verwandten Diskussionen in den einschlägigen Foren, aber da geht es häufig darum, ob sich z. B. Links in schlechter Nachbarschaft befinden, oder warum diese oder jene Seite gesandboxed wurde bzw. ganz aus dem Index geflogen ist. Darauf möchte ich gar nicht weiter eingehen. Vielmehr interessiert mich der persönliche Ethos des normalen Webseitenbetreibers.

Was bin ich bereit, für eine gute Platzierung in den Suchmaschinen zu investieren ?
Wie vielerorts nachzulesen ist, kommt der internen und externen Verlinkung einer Webseite dabei eine entscheidende Bedeutung zu. Für die Diskussion des Begriffs ‘Linkethik’ hat jedoch die externe Verlinkung die entscheidende Relevanz.
Was muß ein kleiner Webmaster machen, wenn er endlich seine Seite fertiggestellt und sich wundert, daß sie nirgendwo in den Suchergebnissen auftaucht ? Er muß hoffen, daß irgendwer auf seine Seite aufmerksam wird (was ohne Links eine ganze Zeit dauern kann) und dann den ersten Link auf diese Seite setzt. Über diesen Verweis werden dann wieder andere auf die entsprechende Seite aufmerksam und setzen ihrerseits Verweise auf die Seite, wenn sie der Meinung sind, daß es sich um Inhalte mit entsprechendem Nutzwert für eine bestimmte Gruppe oder für die Allgemeinheit handelt. Und schnell ist ein Jahr vergangen, und man quält sich immer noch mit 15 Besuchern am Tag herum, obwohl die Seite u. U. gute Inhalte aufweist.
Die Lösung ? Selbst für Links sorgen !
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, diese Absicht umzusetzen, so z. B.:

  • Webkataloge:
    Diese Möglichkeit habe ich in der ‘Anfangszeit’ meiner Seite intensiv genutzt. Es gibt bei fast jedem Katalog die passende Kategorie, in die man sich eintragen kann.
    Ethikfaktor ? Schwer zu sagen – zumindest kann man über viele hundert Einträge mit den entsprechenden Keywords auch auf diese Weise eine Seite pushen, obwohl möglicherweise kein wirklich primärer Zusammenhang mit dem Key und der Seite besteht.
    Was habe ich gemacht ? Immer mit dem Domainnamen (Starker Rücken) eingetragen, was dazu führte, das ich erst mal ganz weg vom Suchmaschinen-Fenster war – schön blöd !
    Aber die Frage, die sich stellt, ist doch, ob dies eine ‘saubere’ Vorgehensweise ist ? Nicht im engeren Sinne, denn ich habe selbst eine künstliche Verlinkung erzeugt, die so niemals entstanden wäre und somit den Suchmaschinen eine potentiell nicht vorhandene Relevanz vorgegaukelt.
    Erzeugt aber trotzdem keine moralischen Bedenken bei mir, denn die thematische Relevanz mit entsprechenden Inhalten war und ist ja vorhanden, also habe ich nur ein bisschen auf mich selbst gezeigt, damit andere mich finden.
    Kritisch betrachtet aber evtl. trotzdem bedenklich, weil jemand anders vielleicht bessere Inhalte aufweist, diese Möglichkeit der Katalogeintrage aber nicht nutzt, weil er diese Methode bedenklich findet – schwieriges Thema !
  • dmoz-Eintrag:
    Ist für eine Verlinkung hervorragend geeignet, weil immer noch massenhaft Verzeichnisse und Kataloge dmoz klonen und somit eine Aufnahme in dieses Verzeichnis im günstigsten Fall irgendwann viele hundert Links erzeugt.
    Aber seht Euch mal an, von welchen Anbietern dmoz geklont wird. Macht einen Backlink-Check und Euch wird schlecht, wenn Ihr seht, welche Klon-Seiten auf Eure Präsenz verweisen. Dieser Tatsache war ich mir bei meinem Eintrag ins dmoz anfänglich wirklich nicht bewußt.
    Jetzt weiß ich es und ich könnte mich sogar sofort selbst aus dem Verzeichnis löschen. Mache ich aber nicht, weil mir dann sofort viele Links verloren gingen.
    Ethikfaktor ? Nicht unerheblich, denn ich ‘verkaufe’ meinen Eintrag gewissermaßen an so manchen Abzocker, der mit dem Klonen des dmoz Einnahmen generiert. Und ich bleibe nur deshalb gelistet, weil ich meine Links nicht verlieren will. Schon mal daran gedacht ?
  • Artikelverzeichnisse:
    Auch eine Form von (unnatürlichem) Handel. Ich schreibe Artikel mit einer vorgegebenen Mindestmenge Text (=Content) für oft populäre und PR-starke Anbieter, die mir im Gegenzug für den generierten Content Textlinks anbieten. Die Anbieter erhalten viel Text für die Suchmaschinen, ich erhalte ein paar Links.
    Ethikfaktor ? Auch nicht unerheblich, denn ich verkaufe meine Gedanken für Textlinks, die ich sonst nur schwer bekommen hätte.
    Damit will ich nicht sagen, daß dieses ‘Geschäft’ an sich unfair wäre. Die Idee ist ja prinzipiell gut und beide Seiten haben ihren Nutzen, aber sachlich betrachtet verweist jemand, dem Eure Inhalte scheißegal sind, mit einem bestimmten Wörtchen auf eine Eurer Seiten, was, wenn Ihr es ausreichend oft wiederholt, manchmal auch unabhängig von der Relevanz des Gesamtinhalts Eurer Seite zu einer guten Platzierung in den Suchergebnissen führt. Dies kann aber keinesfalls als natürlich bezeichnet werden.

Ich könnte diese Liste jetzt noch mit Feed-Verzeichnissen und -Suchmaschinen bzw. Blogcommunities oder irgendwelchen Social-Plattformen fortsetzen – am Ende würde ich immer auf denselben Nenner kommen:
Wirklich kritisch betrachtet handelt es sich immer um ein Art Geschäft, was an sich zwar fair für beide Parteien sein kann, aber immer eine Form von künstlich generierter Relevanz für die Suchmaschinen nach sich zieht.

Insofern habe ich den anfangs erwähnten Zeitgenossen zwar nicht zu Unrecht kritisiert, weil er neben den oben erwähnten Mechanismen außerdem Links in ganz anderer Form generiert, hätte mich aber gleichzeitig auch an die eigene Nase fassen sollen, denn auch ich bin nicht ganz ‘sauber’.

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