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Fear-Avoidance Modell

30. April 2007 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Bandscheiben, Medizin, Rückenschmerzen

Ist recht spezifisch, hört sich auch gefährlich an, aber vielleicht hört Ihr’s irgendwann und dann wißt Ihr wenigstens, was mit Fear Avoidance gemeint ist.

Um was geht’s ?

  1. um Fear, übersetzt: Furcht
  2. um Avoidance, übersetzt: Vermeidung

Das Modell beschreibt also, daß Ihr vor etwas Furcht habt und es dementsprechend vermeidet (warum nennt man es dann eigentlich nicht beim deutschen Namen, dann kann sich vielleicht jeder sofort was darunter vorstellen ?!)

Vor was habt ihr Furcht ? Im Kontext Rückenschmerzen selbstverständlich vor dem Schmerz. Und was vermeidet Ihr ? Die Bewegung. Warum ? Weil Ihr überzeugt seid, daß Bewegung Euch zusätzliche bzw. neue Schmerzen bereiten wird.

Die Psychologen reden in diesem Zusammenhang von interozeptiven Signalen, die überinterpretiert werden. Versteht auch wieder keiner.

Ihr empfangt (Schmerz-) Signale aus dem Körperinneren, die Euch nach jeder ‘falschen’ Bewegung sagen: “Diese Bewegung war Mist, mach sie lieber nicht mehr, sonst kommt der Schmerz wieder.” Und da aus meiner eigenen Erfahrung bei einem Bandscheibenvorfall jede Bewegung sehr schmerzhaft ist, interpretiert Ihr die Signale aus dem Körper insofern, daß Ihr einfach jede Bewegung vermeidet.

Hinzu kommt Eure Umwelt, also z.B. Personen, die Euch sagen “Schon Dich bloß”, oder alte Geschichten, die erzählen, daß man bei einem Bandscheibenvorfall mindestens ein Jahr ans Stufenbett (auf den Rücken legen und Beine und Knie in 90° Beugung auf einen Würfel ablegen) gefesselt ist. Es gibt diesbezüglich bestimmt eine Menge Meinungen von “Experten”.

Vielleicht seid Ihr aber auch insgesamt schon vor dem Bandscheibenvorfall mies drauf gewesen. Inaktiv. Keine Lust zu nichts. Depressiv.

Dann hat sich dieser Zustand mit Sicherheit nicht durch die verheerenden Rückenschmerzen zum Positiven gewendet.

Das alles hat unter Umständen zur Folge, daß Ihr jede körperliche Aktivität vermeidet.

Aber wird’s dadurch besser ? Kaum ! Das Resultat der massiven Schonung bewirkt in der Regel nur, daß Ihr euch noch schlechter fühlt. Schlechter Stoffwechsel, Gewichtszunahme, Abnahme der koordinativen Fähigkeiten usw., sprich: ein Teufelskreis.

Wenn Ihr das Gefühl habt, in einem derartigen Teufelskreis zu stecken, sprecht Euren Arzt darauf an. Sucht ggf. einen Psychologen auf, der Strategien vermitteln kann, diesem Kreislauf zu entkommen (das ist keine Schande ;-) ).

Selbstverständlich muß ich an dieser Stelle den Hinweis geben, daß körperliche Aktivität bei einem Bandscheibenvorfall oder anderen ungeklärten gesundheitlichen Beschwerden grundsätzlich nur nach Rücksprache mit Eurem Arzt erfolgen darf.

Kommentare:

3 Kommentare zu “Fear-Avoidance Modell”
    • Mao-B sagt:

      jau, der vielgerühmte “innere schweinehund”-effekt :roll: hast du ggf. infos hier zusammen getragen (vielleicht eine übersicht als PDF?) welche bewegungsarten eher zu meiden und welche zu bevorzugen sind? ich würd z.b. gerne wieder mit nordic walking beginnen, um den rücken zu stärken und meinen bewegungsmangel zu kompensieren…

    • Nein, leider keine PDF :-(
      Ist auch wieder so ein medizinisches Ding. Empfehlungen darf ich nicht aussprechen, dafür sind die behandelnden Ärzte zuständig, sorry – so isses eben.
      Ich habe aber gehört, daß Nordic Walking (natürlich nach vorheriger ärztlicher Rücksprache) ganz gut sein soll ;-) Die Suche im Bandscheiben-Blog könnte diesbezüglich weiterhelfen.

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