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Fachblogs: warum Diversifikation keine Falle sein muß

1. Februar 2008 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Bandscheiben, Blogging

Einer der erfolgreichsten Unternehmer der Fitness-/Trainings-Industrie, Werner Kieser, sagte meines Wissens einmal, daß “… Diversifikation eine Falle ist”.
Ich kann mich persönlich nicht besonders für das (Trainings-)Konzept von Kieser Training begeistern, aber Fakt ist nun einmal, daß Kieser mit seiner Strategie überaus erfolgreich den Markt aufgeräumt hat.

In den Trainingsbetrieben, die unter dem Namen des eidgenössischen Unternehmers betrieben werden, findet eine Reduktion auf das Wesentliche statt: das Training. Keine Ablenkung durch äußere Einflüsse, keine Solarium, Sauna, Bar etc., nur: rein – trainieren – raus.

Der Vergleich mag jetzt vielleicht weit hergeholt erscheinen, aber ließe sich dieses Prinzip nicht auch auf Angebote im Internet übertragen ?
Seid Ihr nicht auch alle genervt, daß die meisten Seiten mittlerweile nicht nur themenspezifische Informationen anbieten (nach denen man meistens ja auch über eine bestimmte Anfrage sucht), sondern einen riesigen Wust an Informationen zu den unterschiedlichsten Themen bereithalten ? Für den Nutzer mag das gelegentlich interessant erscheinen, aber in der Regel verwirrt es nur und schlußendlich läuft doch alles nur darauf hinaus, daß irgendwas (und möglichst viel davon) an den Mann gebracht wird.
Die Konsequenz wäre also, ein nicht diversifiziertes Angebot im Internet zu erstellen, daß nach der “Regel von Kieser” überaus erfolgreich sein müßte, denn dort findet der Suchende ohne zeitlichen Verzug exakt das, was er sucht.

Wir müssen nicht lange sinnieren, um ein Paradebeispiel für ein solches Angebot zu finden, denn Google hat als die erfolgreichste Suchmaschine genau dieses Prinzip umgesetzt. Eine weiße Seite und ein Suchfeld – Reduktion auf das Wesentliche – zumindest in den Anfangszeiten. Und neben der Genauigkeit der Ergebnisse war es exakt dieser Mechanismus, der für den großen Erfolg sorgte. Was dort mittlerweile geschieht, stimmt eher bedenklich, keine Frage, aber der eigentliche Erfolgs-Turbo ist ganz wesentlich auf den ursprünglichen “Minimalismus” des Angebots zurückzuführen.

Dementsprechend müßte das Geheimnis des Erfolgs (auch im Internet) in einer Form von Minimalismus zu suchen sein, der ein bestimmtes Bedürfnis zu einem bestimmten Zeitpunkt möglichst schnell befriedigt.

Ist eine solche Definition bei Blogs und insbesondere Fachblogs anwendbar ? Grundsätzlich ja, aber nur bis zu einem gewissen Punkt, danach greifen aus meiner Sicht andere Mechanismen. Laßt mich erklären, warum ich das so sehe:

Bei vorausgesetzter Benutzerfreundlichkeit (schweres Thema übrigens, ich suche weiterhin nach einem optimalen Layout) sollte ein Fach-/Nischen-/Themenblog idealerweise Informationen/Diskussionsgrundlagen/Anregungen zu einem deutlich abgegrenzten Themengebiet bieten. Nur dann werden Interessenten für dieses Thema schnell und unkompliziert diejenigen Informationen vorfinden, die benötigt werden und sich ggf. an Diskussionen in Form von Kommentaren in dem jeweiligen Blog beteiligen. Sind diese Kriterien erfüllt, herrscht irgendwann kollektive Freude und Zufriedenheit.
Langsam wird bekannt, daß man auf einer bestimmten Seite Informationen zu ausgewählten Themen finden kann, eine Stammleserschaft entwickelt sich, die Suchmaschinen sorgen für weiteres Wachstum. Allerdings haben viele Themen einen großen Nachteil: der thematische Gesamtumfang ist oftmals durch verschiedener Faktoren terminiert, d.h. irgendwann gibt’s keine Neuigkeiten mehr zu verkünden. Die Kochplatten, welche vormals Stoff für neue Beiträge/Artikel lieferten, laufen nur noch auf Sparflamme. Das mag nicht auf alle Themen zutreffen, Web 2.0, Technik, Marketing etc. brauchen sich kaum aktiv um neuen Brennstoff bemühen, 1-2 Alerts reichen aus, um jeden Tag mehrere Artikel ‘rauszuschießen. Aber veranschaulichen wir den Sachverhalt an einem anderen Thema, ist sag’ Euch wie’s bei mir/den Bandscheiben gelaufen ist:

Am besten läßt sich die Entwicklung über die Grafiken demonstrieren, die der Counter bereitstellt. Es handelt sich um Statcounter und die Grafik bezieht sich auf die gesamte Domain “starker-ruecken.com”, das Blog hat keinen separaten Counter mehr (abgesehen von den Buttons in der Sidebar, denn die verlinkten Dienste liefern offenbar recht verläßliche Zahlen).

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Bis Dezember 2007 ging es mit den Besucherzahlen der Domain stetig aufwärts, jeden Tag neue Informationen zu Rückenthemen, Bandscheiben, die Übungsvideos kannte kaum jemand, also “frischer Stoff” der von vielen Suchenden gerne aufgesogen wird. Zwischen Januar 2007 und August 2007 stagnierten die Zahlen allerdings. Hinsichtlich der Ursachen kann ich nur spekulieren. Ich nehme an, daß diejenigen, denen die benötigten Informationen bereits vorlagen, keinen Grund mehr sahen, weitere Neuigkeiten abzurufen, täglich aber immer wieder neue Personen mit Rückenschmerzen hinzukamen und die Gesamtbesucherzahl sich so kaum veränderte.
Ist ja auch vollkommen normal, denn welche Veranlassung gibt es, auf einem Blog/einer Seite zu stöbern, dessen/deren Thema eigentlich nur interessiert, wenn Beschwerden vorliegen ? Und da die Seite nichts anderes zu bieten hatte…

Für mich stellte dies keinen befriedigenden Zustand dar. Obwohl ich um die 50 Alerts zu verschiedenen Rücken- und Bandscheibenthemen bei Google installiert habe und tagtäglich mit immer höherem Zeitaufwand Neuigkeiten aus diesen Alerts extrahierte wurde “die Luft immer dünner” und ich brachte diese Erkenntnis damals mit dem Fluch der Nische zum Ausdruck.
Ab diesem Zeitpunkt änderte ich dementsprechend die “Strategie” in diesem Blog, indem ich immer mehr themenfremde Artikel unter dem Dach der Bandscheiben veröffentlichte.

In den kommenden drei Monaten reagierten die Statistiken in folgender Form:

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Von August 2007 bis November 2007 kam es zu einem Besucherzuwachs von fast 8.000 Besuchern/Monat und die Anzahl der Page Loads erhöhte sich im selben Zeitraum um über 17.000 aufgerufene Seiten. Sicherlich hat dies auch damit zu tun, das Google zwischenzeitlich ein Backlink-Update gefahren hatte durch das sich auch ältere Seiten besser positionierten, aber maßgeblichen Einfluß hatte aus meiner Sicht die neue Themenvielfalt, die nun von den Suchmaschinen indexiert wurde.

Der Dezember war naturgemäß ein eher schlechter Monat, aber nach einem neuerlichen Update bei Google im Januar erhielten die Artikel der letzten drei Monate nochmals einen richtigen Schub:

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Allein von November bis Januar steigerte sich die Anzahl der monatlichen Besucher um mehr als 11.000. Übrigens bei einem immer noch recht ordentlichen Verhältnis von ca. 2,41 Seitenaufrufen pro Besucher (November: 2,45). Außerdem stieg das Verhältnis von Besuchern und wiederkehrenden Besuchern im Vergleich zum November um fast zwei Prozentpunkte an (insgesamt auch besser als sämtliche Monate zuvor).
Klar, hierbei ist sehr viel Suchmaschinentraffic enthalten, aber ich habe niemals gesagt, daß ich nicht an dieser Form des Traffic interessiert bin.

Ausgehend von den Zahlen des Plateaus im August haben sich also die Besucherzahlen bei allen drei Größen mehr als verdoppelt – in 5 Monaten. Ohne Diggen, Yiggen, Stumblen oder sonstige Hypes. Es wird nicht mehr kommentiert, ich habe kein neues Foto in die Sidebar eingefügt, habe nicht die Branche gewechselt oder schreibe plötzlich extreme Texte. Eigentlich ist alles wie in den Monaten zuvor, nur das mehr Besucher auf der Seite landen. Und das kann in dieser Größenordnung nur mit der geänderten inhaltlichen Strategie zu tun haben.

Ihr könnt mir jetzt gerne was mit “Schwanzvergleich” in die Kommentare pflastern, weil ich hier mit Zahlen hausieren gehe, aber auch das ist mal nötig. Warum soll ich (aus meiner Sicht) gute Entwicklungen nicht veröffentlichen ? Wie oft lese Artikel in denen mit scheinheiliger Bescheidenheit beiläufig ein paar Zahlen aus Ranglisten/Charts eingestreut werden, selbstverständlich mit Betonung der Unbedeutsamkeit des jeweiligen Angebots…
Sagt doch, daß Ihr Eure Zahlen geil findet und ihr auf die Platzierungen in den Ranglisten abfahrt. Sagt doch, daß und was Ihr erreichen wollt. Mir ist lieber, jemand spielt mit offenen Karten, als einen Verweis auf neue Ranglisten vorzufinden, wo das jeweilige Blog “rein zufällig” aufgeführt ist.
So auch das wäre gesagt !

Und nun zum Fazit:
Auch für Themen- und Fachblogs kannn es ich lohnen, aus dem “Gefängnis der Nische” auszubrechen, wenn es als solches empfunden wird :-)

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