Doktor Google
17. Dezember 2006 von Christoph Weigand
Abgelegt unter: Medizin
Im letzten Monat hat das GoogleWatchBlog via The Inquirer über einen Artikel in der Daily Mail berichtet, in dem Google eine hilfreiche Funtion bei der Diagnostizierung von Krankheiten zugeordnet wird:
Researchers found that almost six-in-10 difficult cases can be solved by using the world wide web as a diagnostic aid.
Doctors fight disease by carrying about two million facts in their heads but with medical knowledge expanding rapidly, even this may not be enough. Daily Mail
Grundsätzlich hätte ich nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Arzt bei den entsprechenden Symptomen erst mal ‘googelt’ (wobei ich hier nicht die Symptome wie z. B. Halsweh, Bluthochdruck, Bauchschmerzen usw. meine). 
Ist für mich kein fachliche Disqualifikation, sondern würde in schwierigen Fällen eher ein besonderes Engagement widerspiegeln. In vielen Kliniken werden doch ohnehin schon mittels Krankenhaus-Informationssystemen Informationen zwischen den Fachabteilungen ausgetauscht, über die Telemedizin Diagnosen gestellt etc.; warum also nicht auch mal das ‘ganz große’ Netzwerk über Google bemühen ?
Auch für viele Patienten ergeben sich hier neue Möglichkeiten, wie die Kommentare in der Daily Mail zeigen:
I wish my doctor had used it! I used it after doubting his diagnosis of my sons skin condition – I went privatly to a dermatologist (paying £90) who confirmed my ‘google-diagnosis’ was right.
Selbstverständlich kann der betroffene Patient ohne Weiteres z. B. bei dieser Suchabfrage bei der richtigen Diagnose ‘Bandscheibenschaden’ landen. Vielleicht sind es aber auch Durchblutungsstörungen oder z. B. eine Diabetes. Wie sollen Betroffene in diesem Fall filtern ?
Es kann auch sein, daß sich ein Patient eine bestimmte Diagnose ‘wünscht’ und sich durch die Suchtreffer emotional derart bestätigt fühlt, daß dieser Gedanke nur noch ganz schwer vom behandelnden Arzt ‘eliminiert’ werden kann.
Oder ein Patient wird bei seinen Reizdarmbeschwerden hauptsächlich bei Magen- und Darmkrebs-Seiten fündig und fällt spontan in ein depressiv-hypochondrisch-paranoides Loch.
Viele zweifeln mittlerweile an den Ärzten und diese Zweifel sind teilweise auch berechtigt, wenn binnen Sekunden eine Abfertigung im Sprechzimmer stattfindet. Aber keinesfalls sollten Patienten dazu übergehen, nur noch Doktor Google bei bestehenden Beschwerden zu bemühen.
Die Ärzte sind doch grundsätzlich nicht unfähig – sie stehen einfach auch in vielen Fällen unter enormem Zeitdruck. Und wenn Ihr euch nicht optimal behandelt fühlt, dann bringt das einfach zur Sprache. Auch mit deutlichen Worten.
Ein Jahr Sucherfahrung bei Google können kein jahrelanges Studium und Erfahrung in der Behandlung von tausenden Patienten ersetzen.
Auch wenn ich bei der Suche nach der Anleitung zum Verlegen von Fliesen fündig geworden bin und ein detaillierte Beschreibung vor mir liegt, ist das Ergebnis trotzdem in vielen Fällen katastrophal. Der alte Fliesenlegermeister hingegen zaubert mir in kürzester Zeit den schönsten Fliesenspiegel an die Wand. Wer er’s gelernt und schon 1000 mal gemacht hat. Und wenn Ihr mit ihn unzufrieden seid, sprecht ihr’s doch auch an, oder ?
Bildquelle: aboutpixel.de





Ich habe da so meine Bedenken, wenn jeder vor sich hingoogelt, um seine Krankheit “zu finden”.
Es ist außerdem auch für diejenigen, die sich gut auskennen sehr schwer, sich selbst zu diagnostizieren. Warum gehen denn wohl auch die Mediziner zum Arzt?
Als Informationsergänzung kann ich mir diesen und andere Dienste gut vorstellen, wahrscheinlich wird er aber, wie Du oben schon geschrieben hast, oft falsch genutzt werden und damit der User in die Irre geleitet.