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Diagnoseschlüssel

13. November 2006 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Medizin

Immer, wenn Ihr eine Arbeitsunfähigkeitsbescheininigung vom Arzt bekommt, besteht diese aus einem Exemplar zur Vorlage beim Arbeitgeber und einem weiteren zur Vorlage bei der Krankenkasse.

Bei dem Exemplar für die Krankenkasse ist m51in der Regel ein Buchstaben-Zahlen-Schlüssel aufgeführt, der die jeweilige Diagnose eindeutig ausweist.
So handelt es sich bei M51.2 z. B. um:
“Sonstige näher bezeichnete Bandscheibenverlagerung – Lumbago durch Bandscheibenverlagerung”.
Den Diagnoseschlüsseln liegt die “ICD-10 Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision” zugrunde, die beim Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information online eingesehen werden kann. Einfach links oben den Dreisteller eingeben (also z. B. M51) und man bekommt alle, mit diesem Schlüssel in Verbindung stehenden Codes aufgelistet.
So kann man auf einfachem Wege kontrollieren, ob der auf der AU-Bescheinigung aufgeführte Schlüssel auch der ärztlich Diagnose bzw. den eigenen Beschwerden entspricht.
Ihr sagt jetzt: “Warum soll ich das kontrollieren, ist doch egal welcher Schlüssel. Hauptsache ich hab’ meine Bescheinigung.”
Weit gefehlt !
Dieser Schlüssel mit der entsprechenden Erkrankung wird nämlich bei Eurer Krankenkasse gespeichert.

Nehmen wir jetzt einfach ‘mal an, ein junger Dachdecker hat sich in seiner Freizeit an der Schulter verletzt, bei der Untersuchung beim Arzt wird aber in der Hektik der Schlüssel für eine Knieverletzung vermerkt. Der junge Dachdecker wird fünf Tage krankgeschrieben, schaut nicht mehr weiter auf die AU-Bescheinigung, gibt sie seinem Arbeitgeber ab, und schickt das andere Exemplar an seine Krankenkasse.
Ein Jahr später schließt der junge Mann eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab und gibt im Fragebogen des Versicherers an, daß er vollkommen gesund sei und keine Vorschädigungen bzw. Vorerkrankungen vorliegen. Das mit der Schulter hat er längst vergessen – war ja nicht so schlimm, nach zwei Tagen hat er schon fast nichts mehr von den Beschwerden gespürt.

Fünf Jahre geht jetzt alles gut, der Dachdecker hat mittlerweile den Meister gemacht, verdient ein paar Euro mehr und ist guter Dinge im Hinblick auf deine Zukunft.
Eines Tages stürzt der Dachdecker in einem Kurzurlaub beim Skifahren so unglücklich, daß er sich das Knie nicht nur verletzt, sondern auch nach einjähriger Reha sein Bein kaum noch belasten kann. An Arbeiten auf dem Dach ist auch zukünftig nicht mehr zu denken.
“So ein Mist, es war kein Arbeitsunfall, da wäre ich wenigstens finanziell halbwegs abgesichert gewesen” denkt sich der junge Mann, “aber ich habe ja meine BU-Versicherung, die eintritt, wenn ich meinen Beruf nicht mehr ausüben kann – zum Glück habe ich die damals abgeschlossen”. Im Prinzip liegt der junge Mann mit dieser Vermutung richtig.
Also schreibt er seinen Versicherer an, teilt mit er könne seinen Beruf nicht mehr ausüben und bekommt ein paar Tage später einen Fragebogen zugeschickt, in dem er alle möglichen Angaben zu seinen Beschwerden machen muß. Im Übrigen muß er auch unterschreiben, daß er seiner Krankenkasse genehmigt, dem BU-Versicherer seine medizinischen Daten offenzulegen.
Also schickt die Krankenkasse dem BU-Versicherer einen Auszug mit den Krankmeldungen der letzten Jahre inklusive den entsprechenden Diagnosen. Nur leider steht dort, daß sich der junge Dachdecker einige Jahre zuvor am Knie verletzt hat und deswegen fünf Tage krankgeschrieben war.
Und der Schlüssel beschreibt nicht nur eine 08/15 Diagnose, sondern schon eine ‘richtige’ Verletzung.
Also bekommt der junge Mann mitgeteilt, daß er nicht nur unwahre Angaben über seinen Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss der BU-Versicherung gemacht hat, sondern sogar vergessen hat eine Vorschädigung mitzuteilen, die genau das Gelenk betrifft, das jetzt so stark beschädigt wurde. Versicherungsschutz im Eimer ! Selbstverständlich versucht der Dachdecker jetzt beim Arzt die Unterlagen von damals zu bekommen, aber es wurden keine Röntgen- oder MRT-Bilder gemacht und gerade seine Akte ist irgendwie nicht mehr auffindbar.

Das passiert doch nie ? Da habt Ihr statistisch gesehen wohl fast recht. In 99% der Fälle wird ein derartiges Szenario nicht eintreten.
Was aber, wenn Murphys Gesetz genau in diesem speziellen Fall greift ? Dann habt Ihr wirklich schlechte Karten und dürft Euch jahrelang mit Eurem Versicherer ‘rumärgern und zieht am Ende vielleicht doch den Kürzeren.

Schaut lieber zweimal hin, bevor irgendwann das ‘Kind in den Brunnen gefallen’ ist. Organisatorische und verwaltungstechnische Fehler passieren immer wieder, und wenn sie einmal passiert sind, ist es schwer, nach Jahren noch einmal eine Korrektur in die Wege zu leiten.

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