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Der Kommunikationskiller

27. April 2008 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Blogging, Kurioses, Off Topic

Das Internet treibt seltsame Blüten – zumindest aus meiner Sicht.
Jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, sich auf unkomplizierte Art und Weise einem potentiellen Millionenpublikum tagtäglich mitzuteilen und diese Option wird auch auf den unterschiedlichsten Kanälen genutzt.

Es wird gemailt, gebloggt, getwittert, geskyped, Bookmarks werden angelegt, Profile mit ausführlichsten personenbezogenen Informartionen online gestellt, Fotos mit teils peinlichen Dokumentationen des Privatlebens durchgereicht, Video- und Podcasts produziert usw. In Communities werden persönliche “Internas” kummuniziert, die man normalerweise gerade einmal seinem besten Freund mitteilt und in diversen Foren wird locker über Dinge geplaudert, über die im “realen Alltag” der Mantel der Schweigepflicht gelegt wird.

Umso mehr erstaunt mich die Reaktion bzw. Nicht-Reaktion auf die offensichtlich schlimmste Offerte, die man einer normalen Email hinzufügen kann:

Ruf einfach an“.

Jeden Tag erreichen mich irgendwelche Fragen, Rückmeldungen [...] zu meiner Webseite/Blog per Mail und da die Antworten in der Regel nicht in wenige Sätze zu verpacken sind, füge ich in vielen Fällen ein “…ruf einfach an” hinzu. WUMM ! Das war’s ! Telefonieren – scheinbar das Unwort, der Kommunikationskiller der elektronischen Kommunikation. Kalter Schweiß beim digitalen-getarnten Gegenüber ? Zu 95% hat sich mit diesem Angebot jede Form des Austauschs für alle Zeiten erledigt.

Über den Grund für dieses Phänomens mache ich mir schon länger Gedanken, vielleicht trägt ja dieser Beitrag mit zur Auflösung des Rätsels bei.
Dabei habe ich mir schon einige Begründungen zurechtgelegt, bin aber an unbeeinflussten Kommentaren interessiert ;-)

Nur nochmals zur Info für alle Kommunikationswilligen:

  • Unendliche Email-Litaneien langweilen und nerven mich, weil die Inhalte dieser Mails in nur wenigen Minuten per Telefon abgeklärt werden könnten, für entsprechende Emails aber ein nicht unerheblicher Zeitaufwand erforderlich ist.
    Den Extrakt mit Hinweisen in Form von eventuellen Links kann man nach einem Gespräch dann ganz entspannt nochmals austauschen.
  • Emails führen nicht selten zu Mißverständnissen, weil in die schriftliche Kommunikation keinerlei akustische Signale vom anderen Teilnehmer einfließen. Vergißt du in einer Mail, hinter einen ironisch gemeinten Satz einen ” ;-) ” zu setzen oder ihn mit <Ironie an> zu taggen, kann das schon ernsthaften Stress auslösen. Das gesprochene Wort erledigt dies hingegen über eine simple Betonung des Satzes (nur ein Beispiel – ich denke, Ihr wißt, was ich meine).
  • Die Daten aus meinem Impressum stimmen. Ich sehe so aus, wie auf dem Foto abgebildet. Ich gebe Eure Mails nicht weiter, veröffentliche keinerlei Details aus Telefonaten. Ihr könnt meinen Lebenslauf einsehen, Euch informieren, wer mein Arbeitgeber ist und im Blog sogar manchmal lesen, was ich am jeweiligen Tag gegessen habe. Wo findet Ihr mehr Transparenz ?
  • Ich bin kein Soziopath, nicht vorbestraft, belästige keine Frauen mit Anrufen, habe keine ansteckende Krankheiten (ist für’s Telefon eh’ nicht relevant, aber vielleicht beruhigend zu wissen) und ein neutral-normales Verhältnis zu Tieren.
  • Ihr müßt mich nicht anrufen, ich bettele nicht darum, so versessen bin ich auch nicht auf’s Blubbern. Aber wenn ein Anliegen so wichtig ist, daß Ihr mehrere Mails schreibt, Ihr Euch dann aber (nach dem Angebot, einfach zum Hörer zu greifen) nie mehr meldet, habt Ihr Eure und meine Zeit verschwendet. Ein simpler Hinweis “ich möchte lieber nicht telefonieren” per Mail reicht vollkommen aus.
  • Ihr geht kein Abo oder sonstige Verpflichtung ein, wenn Ihr anruft. Es handelt sich um eine normale Nummer mit Standard-Gebühren. Ihr erhaltet keine Rechnung von mir. Ich helfe gerne kostenlos weiter, wenn es im Rahmen meiner Möglichkeiten steht.
  • Ich freue mich, wenn ich über’s Telefon ein paar Leser dieser Webseite/dieses Blogs kennenlernen kann und Rückmeldungen erhalte.

Telefonieren ist so einfach … ;-)

Kommentare:

5 Kommentare zu “Der Kommunikationskiller”
    • Vielleicht willst du zu der “unmöglichen” Zeit, wenn ich die E-Mail schreibe, ja gar nicht telefonieren? ;-) Obwohl… morgens scheints zu gehen…

    • War nicht auf Dich bezogen ;-)
      Aber nur zu – bin momentan eh’ mittelfristig-ganztägig wg. der Rippen lahmgelegt.

    • Lars sagt:

      Nun ja, alles hat seine 2 Seiten. Für jemenden wie mich, der einen Sprachfehler hat, sind die blogs eine schon gute Sache und ich möchte sie nicht missen. Auch die Tatsache, dass ich nur als Gast-Leser an der Kommunikation anderer teilnehmen darf, ich für mich ein großes Plus – dafür vielen Dank.

Trackbacks

Das sagen andere Blogs zu diesem Artikel:
  1. Ich sollte SEO werden!…

    Seit einigen Tagen stagnieren hier die Besucherzahlen.
    Zuerst habe ich das schulterzuckend hingenommen, aber da die Besucherzahlen nun doch arg gesunken sind habe ich mich doch mal auf die Suche gemacht.
    Die Schuldigen, ja es sind/waren zwei, waren s…

  2. [...] (abgesehen von famlog.de) inklusive Autor(in/en) bekannt war, sind mir solche Treffen oder auch Telefonate deutlich lieber, als ein “Kennenlernen” über Feedreader oder/und Komentarfunktion, [...]



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