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Der Fluch der Nische

7. September 2007 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Blogging

Ein Beitrag zu diesem Thema steht schon länger auf meiner Liste der unerledigten Dinge, aber aufgrund des zu erwartenden Umfangs habe ich mich in den letzten Wochen erfolgreich vor dieser Aufgabe gedrückt.

Das soll nicht heißen, daß es sich um kein spannendes Thema handelt, denn vielen von Euch werden wahrscheinlich schon ähnliche Gedanken gekommen sein. Also wähle ich gerade dieses Drücken vor der Aufgabe in Form eines “inneren Konflikts” des Fachbloggers als Einleitung für die nachfolgenden Überlegungen.

Was erwartet der Leser dieses Blogs, wenn er den Header (die Überschrift) erblickt ? Bandscheiben ! Rückenschmerzen ! Therapie ! Massage ! Krankengymnastik ! Ein wenig Sport ? Ernährung ? Jetzt wird’s aber auch schon eng…
Als ich im April vergangenen Jahres das Bandscheiben-Blog aus der Taufe hob, erschien mir dieser Titel bzw. dieser Name als bestmögliche Wahl.
Ich schreibe über Bandscheiben. Toll ! Da gibt’s so viel zu erzählen… Gibt es auch !
Was ich damals aber nicht richtig einschätzte, sind die Konsequenzen einer derartigen Benennung/Betitelung für die zukünftige Entwicklung des Blogs.
In dem Moment, als ich das erste Mal unter dem Titel Bandscheiben-Blog auf “Veröffentlichen” klickte, hatte ich mir einen selbst gezimmerten “Fluch” auferlegt, denn genau ab diesem Zeitpunkt schränkte mich das, was mir auch im normalen Leben seit einigen Jahren Schwierigkeiten bereitet, auf’s Neue ein. Ich hatte also die Nadel in meine eigene Voodoo-Puppe gerammt ;-)

Selbstverständlich könnte ich meine Interessen abseits der Bandscheiben über ein weiteres Blog kanalisieren, aber aus meiner Sicht lassen sich keine zwei Blogs mit gleicher Intensität und Qualität betreiben, das habe ich beim Sport-Blogger gemerkt.
Fachblogs erfordern außerdem eine sehr viel fokussiertere Recherche bei neuen Beiträgen. Würde ich mich in der Zeit der “Bandscheibenrecherche” mit anderen Dingen beschäftigen, läge meine Beitragsfrequenz (bei ordentlicher Qualität) in den Regionen der Hochfrequenzblogger. Damit postuliere ich eine hohe Frequenz nicht als besonderes Qualitätsmerkmal, aber prinzipiell juckt genau das in meinen Fingerspitzen und wäre mein Stil.
Je mehr Ihr über ein bestimmtes Thema schreibt, desto dünner wird irgendwann die thematische Luft. Ein Themenfeld, in dem nicht jeden Tag bahnbrechende Neuigkeiten als Aufreißer dienen können, erschöpft sich im Laufe der Zeit. Es gibt nicht jeden Tag eine neue Operationsmethode oder Therapieform. Klar, strategisch clever hätte ich die letzten 900 Beiträge schön auf 900 Tage verteilen können, aber das ist, wie gesagt, nicht mein Stil. Was ich weiß oder erfahre, muß raus – keine Taktiererei in dieser Hinsicht !

Wie leicht haben es z. B. allgemeine Technik- oder Web-Blogs im Vergleich zu thematischen Nischen, ein entsprechendes Publikum anzusprechen.
Verbringt ein paar Stunden am Tag mit breit gestreueten Alerts, und ihr könnt jeden Tag geniale Neuigkeiten verkünden, über die es sich wunderbar diskutieren läßt, insbesondere bei der Zielgruppe der Blogger. Bin ich also neidisch auf diese Jungs ? In gewisser Hinsicht – ja, denn wie jeder andere freue ich mich natürlich, wenn möglichst viele Leute lesen, was ich hier absondere und daraus ggf. eine schöne Diskussion entsteht. Blogge ich nur für mich ? Nein, denn ich will das das Zeug hier auch andere Leute anspricht. Und bis auf ganz wenige Ausnahmen wollen das alle anderen Blogger auch ! Im Laufe der Zeit wißt auch Ihr ganz genau, was zieht, und womit Ihr eine Diskussion anleiern könnt. Wer jetzt verbale Steine wirft, der heuchelt nur.

Soll ich noch weiter jammern ? Nein, keine Sorge ! Aber in Zukunft werde ich auch vermehrt andere Themen ansprechen, wenn’s mich in den Fingern juckt. Die Bandscheiben haben mich lange genug in vielerlei Hinsicht “kastriert”, wenn ich das auf diesem Blog noch einige Jahre thematisch durchziehe, laufe ich Gefahr, einen massiven Dachschaden zu provozieren.
Nein, ich mache kein anderes Blog auf, denn ich weiß jetzt, wieviel Energie es kostet, ein vernünftiges Projekt wie dieses hochzuziehen. Dazu habe ich wirklich keine Lust und insbesondere keine weiteren Reserven, denn parallel würde dieses Blog ohnehin weiterlaufen. Dann lieber im schlimmsten Fall einige Leute vergraulen und mit den Bandscheiben glücklich werden.

Kommentare:

6 Kommentare zu “Der Fluch der Nische”
    • Finde ich gut, Christoph, dass Du thematisch breiter wirst. Schliesslich steht nicht der Titel des Blogs im Mittelpunkt sondern der Autor und dessen Expertise. Das ist gut für die eigene Positionierung, interessiert die treuen Leser, es sind ja verwandte Themen, und sorgt für neue Leser.

    • > es sind ja verwandte Themen

      Ich dachte mehr an Rock’n Roll, Alexander ;-)
      Obwohl, da ließe sich der thematische Bogen auch noch spannen….

    • Es lässt sich jeder Bogen spannen, wenn die authentische Person und nicht der Titel im Mittelpunkt steht ;-) Let’s twist again…

    • Matthias sagt:

      Auf der pl0gbar war es ja schon ein Thema: Es ist dein Blog, und du kannst damit machen, was du willst. Vielleicht wirst du mit einer größeren thematischen Bandbreite den einen oder anderen Leser vergraulen, mit Sicherheit wirst du aber auch neue Leser dazugewinnen, davon bin ich überzeugt. Ich bin ja den Weg eines Zweitblogs gegangen und nicht unbedingt unzufrieden damit, aber eben dieses Zweitblog dümpelt ein wenig vor sich hin (Stichwort Frequenz). Andererseits bin ich auch froh darüber, dass ich dort auch mal längere Code-Beispiele posten kann, die in einem Musikblog einfach nichts verloren haben :O)

      Übrigens noch was: Du plenkst bei Frage- und Ausrufezeichen! ;O)

    • Das ist kein Plenken, sondern persönlicher Stil ;-)
      Gefällt mir besser, wenn’s nicht so ‘drangeklatscht ist.

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  1. [...] wurde “die Luft immer dünner” und ich brachte diese Erkenntnis damals mit dem Fluch der Nische zum Ausdruck. Ab diesem Zeitpunkt änderte ich dementsprechend die “Strategie” in [...]



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