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Beharrlichkeit mit Nebenwirkungen

29. September 2007 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Medizin, Sportliches

Ein Artikel in der Medical Tribune der (zumindest mich) zum Nachdenken anregt:

Ziel verfehlt, Gesundheit gerettet

Ziel Marathon, ganz typisch.
Für die einen geht es nur darum, die Strecke zu bewältigen, die anderen haben eine bestimmte Zeit im Visier.
Den Marathon wähle ich deshalb als Beispiel, weil ihm die gepushte Mystifizierung eine besondere Bedeutung verleiht. Antike Wurzeln, hoher Bekanntheitsgrad, oftmals ein der Startpunkt einer Metamorphose vom Bürohengst zum ausdauernden Asphalt-Stier.

Nicht selten generieren vormals leidenschaftslose Stoiker im Rahmen der erfolgsorientierten Projektplanung motivationale Gehirnströme, die jenseits der Normalskala zu suchen sind.
Um es vorweg zu nehmen – mir sind leidenschaftliche Extremisten grundsätzlich lieber als emotionslose Zombies (sofern es sich nicht um eine Reihe von Strohfeuern handelt), aber im Laufe der Jahre habe ich gelernt, daß es in manchen Fällen (und besonders im sportlichen Bereich) sehr viel besser ist, ein Ziel nicht mehr zu verfolgen bzw. abzuändern, als beharrlich an ihm festzuhalten.
Ich weiß nicht, warum vielerorts den Leuten eingeredet wird, Laufstrecken jenseits der 40 km wären ein grundsätzlich ein geeignetes Ziel, den inneren Schweinehund aufzuwecken. Viele Formen des Ausdauertrainings sind dies tatsächlich, aber ein Marathon ? Zu diesem Thema hatte ich mich schon an anderer Stelle geäußert.

Was dieser Beitrag herausstellen soll, ist die (meine) Beobachtung, daß ab einem gewissen Punkt im Trainingsprozess oftmals eine bestimmte Schwelle in irgendeinem System überschritten wir. Wo bisher nur ein lauwarmes Süppchen auf der sportlichen Herdplatte stand, fliegt plötzlich der Deckel vom Topf, und ich habe keine Ahnung welche chemische Reaktion dafür verantwortlich ist.
Von diesem Moment an kommt es zu einer sportlichen Zielfixierung, der jedes körperliche Beschwerdebild untergeordnet wird. Der bis dato pharmazeutische Veganer mutiert zu einem Wesen, das auch die härtesten Entzündungshemmer lächelnd injizieren läßt, weiß er doch, daß damit auch die kommende Trainingswoche gesichert ist und ein weitere Stufe zu seinem Ziel erklommen wurde.

Sicher trifft das nicht auf die große Masse der Laufbegeisterten zu und ich will auch niemandem seine Motivation nehmen – aber solltet ihr merken, daß Euer Körper negativ und mit zunehmenden körperlichen Beschwerden auf die Trainingsbelastungen reagiert (und dabei meine ich nicht nur das Training für einen Marathon), sollte das “Projektziel” ggf. überdacht und entsprechend angepaßt werden. Manchmal reicht es sogar schon aus, wenn der standardisierte Trainingsplan aus bestimmten Zeitschriften oder Foren überarbeitet wird, denn nicht jeder Organismus reagiert (auch bei gleicher Ausgangsposition) in gleicher Weise auf gleiche Trainingsreize.

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