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Basen der Macht

7. Oktober 2006 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Off Topic

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, mache ich mir in letzter Zeit einige Gedanken über die Möglichkeiten und Risiken von kommunikativen IT-Instrumenten wie Webseiten und Blogs und bin bei meiner täglichen Online Lektüre wieder einmal über zwei Beiträge zu diesem Thema gestolpert, die das Phänomen vorrangig aus Sicht von SEOs beleuchten und somit selbstverständlich einen direkten Bezug zu Besucherzahlen, finanziellen Interessen, Positionierung in den Serps herstellen.

Gerald bezieht sich auf den Beitrag der Seonauten wenn er sagt:

Es wird dort nicht über generelle Fragen zu Macht und Ohnmacht von Weblogs philosophiert, eher geht es um die Sichtweise der SEOs zum Thema.

“Philosophiert” scheint mir dort etwas negativ belegt, weshalb ich annehme, daß er sich nicht weiter mit allgemeinen, potentiell pseudo-philosophischen Fragen beschäftigen möchte.

Ich sehe keinen Grund, warum man sich hier nicht einmal versuchen sollte:

Nach einem kurzen Blick in Wikipedia lassen sich ohne weiteres interessantes Bezüge zur Blogosphäre herstellen (der Auszug aus Wikipedia sollte hier allerdings im Vorfeld gelesen werden).

Machtbasen (fünf Kategorien nach French und Raven), die die Mächtigen (Blogger) stützen:

· Legitime Macht:
Mächtige Blogger sind Meinungsmacher, weil sie aufgrund ihrer Blog-Historie eine entsprechende Autorität (auch oftmals A-Blogger Position genannt) erarbeitet haben. Sie haben es sich erarbeitet, keine Frage, denn hinter einer großen Leserschaft stecken i.d.R. eine Vielzahl qualitativ guter Beiträge.
Sie haben in den Augen Vieler das Recht, diese Stellung innezuhaben und werden als Autoritäten akzeptiert.

· Macht durch Belohnung:
Jeder der mächtigen Blogger hat eine ganz spezielle Möglichkeit, diese Form der Macht auszuüben. Er läßt den Anfängern, den “Gamma-Bloggern” irgendwann ein Stückchen Aufmerksamkeit und (ganz begehrt) eine Belohnung in Form eines Links zukommen. Diese kleine ‚Beförderung’ kann sehr schnell den Popularitätsgrad des Belohnten in ungeahnte Höhen schießen lassen, trägt aber zuminest zur Steigerung desselben beim Belohnten bei und vergrößert somit dessen ‚Macht’.

· Macht durch Zwang:
Ein mächtiger Blogger verfügt über eine Vielzahl von Möglichkeiten, entsprechenden Zwang auszuüben. Sei es, ein paar mächtige Links auf quertreibende Neueinsteiger zu setzen (oder setzen zu lassen) und sie somit im besten Fall für ein paar Monate aus den Suchergebnissen wegzuzaubern oder über geschicht formulierte und platzierte Beiträge die Glaubwürdigkeit und Reputation des Betreffenden schon am Beginn seiner ‚Karriere’ zu untergraben. Ein paar dieser Beiträge und der Auserwähle wird es sehr schwer haben…

· Macht durch Identifikation:
Mächtige Blogger haben Charisma ! In jeder Blogroll zu finden, unter den Top-10 der Suchergebnisse, Moderatoren in Foren, zu Gast bei den Medien – einfach cool !
Wer möchte nicht eine ähnliche Stellung innehaben ? Die Mächtigen kritisieren ? Erst bei selbst erfahrener Macht, bei gefestigter eigener Position denken viele daran. Schließlich soll das Bloggerdasein ja noch ein wenig andauern. Hier muß allerdings eine Abgrenzung zu den Blog-Anarchisten gezogen werden. Denen ist eh’ alles egal, sie leben vom Zerstören, was ihnen aber auch wiederum zu Macht verhelfen kann, denn in manchen Kreisen ist schon das pure Zerstören hoch angesehen. Hierbei handelt es sich dann aber meistens um Pseudo- oder wohlüberlegt eingesetzte Anarchie, die den Pseudoanarchisten mächtiger werden läßt.

· Macht durch Wissen:
Woher weiß der nur die ganzen Sachen (auch ich frage mich das gelegentlich bei einigen Beiträgen) – der muß ja schwer was auf dem Kasten haben !? Wer hinterfragt aber schon die tatsächliche mentale Macht des “Wissenden” ? Wie oft bin ich schon in Foren bei einer Frage von einem Mächtigen mit hohem Postrank angeschissen worden, ich solle nicht so blöd fragen. Dabei bezieht sich die Wissensmacht nur auf einen eng eingegrenzten Bereich, in dem der Mächtige eine gewisse Position inne hat.
Egal – auch das Wissen in einem gewissen Themenfeld kann durchaus mächtig erscheinen lassen.

Was läßt sich daraus ableiten ?

Blogs können sich zu einem neuen, bisher wenig beleuchteten und m. E. riskanter Weise vernachlässigten Machtinstrument entwickeln, das gleichermaßen aber auch hervorragend die bereits vorhandenen Pfeiler der Macht widerspiegelt.

Die Konstellationen sind die gleichen, wie im ‚wirklichen Leben’ es spielt sich alles nur auf einer anderen Ebene ab.
Es gibt Förderer, glückliche Zufälle, gesteuerte Prozesse, Netzwerke, Sympathien, Antipathien, herausragende intellektuelle Fähigkeiten die Macht entstehen lassen.
Macht wird auch bei den Blogs von einigen wohl dosiert und gut gemeint, von anderen anarchistisch eingesetzt.
Die einen verfolgen nur eigene Interessen, andere haben eherne Ziele.
Für manche ist es Beruf, für andere Berufung.
Was auch immer es ist oder sein mag:
Durch die derzeit vorhande und zukünftig weiter fortschreitende Bedeutung des Internet wird die Macht der Mächtigen auf diesem Sektor immer mehr an Bedeutung gewinnen und insbesondere bei den kommenden Generationen viele Menschen beeinflussen, die sich noch vor einer Generation durch andere Dinge inspiriert sahen.

Insofern stimme ich mit Gerald überein, wenn er sagt:

Alles in allem ist das alles mächtig bedenklich und könnte uns einen Vorgeschmack auf zukünftige bloggische Entwicklungen geben.

Im Bezug auf die Blogs wünsche ich mir die Realisation eines Zitats, das neben einigen anderen in Wikipedia zu finden ist:

“Macht ist das Vermögen, das Mögliche wirklich werden zu lassen.” — Peter Koslowski (Die Zeit, Nr. 20, 13. Mai 1989, S. 43)

und dies im positiven Sinne.

Kommentare:

2 Kommentare zu “Basen der Macht”
    • schön gesagt. ich meinte philosophisch nicht abfällig, ich wollte damit eher klar machen, dass ich diese komponenten in meinem beitrag aussen vor lassen würde. denn hätte ich das mit eingebracht, dann wäre der beitrag einfach viel zu gross geworden. auch bin ich mir bei meinen blog-lesern nicht im klaren, wie tiefschuerfend die es haben wollen. aber vielen dank für den hinweis und die übertragung von blogs auf die machtbasen. vielleicht komme ich auch noch mal philosophisch auf das thema zurück.

    • sportx sagt:

      dann hast Du mindestens einen Leser garantiert …

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