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Antidepressiva bei Rückenschmerzen keine Lösung

29. Juli 2008 von Christoph Weigand  
Abgelegt unter: Bandscheiben, Rückenschmerzen

Thorsten hat mich auf eine Studie aufmerksam gemacht (danke !!), bei der die Wirksamtkeit von Antidepressiva bei der Behandlung von (chronischen) unspezifischen Rückenschmerzen untersucht wurde.
Ich darf kurz zusammenfassen:

Antidepressiva beseitigen nach den Ergebnissen dieser Studie weder den Schmerz noch die vorliegende Depression.

Jetzt fragen sich einige von Euch vielleicht, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen könnte, Rückenschmerzen mit Antidepressiva zu behandeln.
Denkbar sind bei dieser Konstellation zwei stark vereinfachte Szenarien:

  1. Es lag im “Vorfeld der Rückenschmerzen” bereits eine Depresssion vor, die sich irgendwann in Form von Rückenschmerzen äußert. Übrigens eine beliebte Theorie bei der Ursachenforschung, wenn keine objektive Ursache für den Schmerz festgestellt werden kann.
    Leidensgenossen werden bestätigen können, daß wir alle irgendwann in diese Schublade gesteckt werden sollten. Plötzlich legt der Arzt diesen wissenden Blick auf und es ist geschehen ;-)
    Andererseits ist es prinzipiell nicht ausgeschlossen, daß tatsächlich eine wie auch immer geartete Depression zu Rückenbeschwerden führt.
  2. Der (Rücken-)Schmerz dauert so lange an, daß aus diesem (wirklich erbärmlichen) Zustand eine Depression entsteht. Dabei ist nicht nur der Schmerz an sich als ursächlich für die Depression zu betrachten, sondern insbesondere die Nebenschauplätze dieses Zustands.
    Schmerz lähmt, soviel ist sicher. Dabei lähmt er nicht nur körperlich, sondern aus meiner Erfahrung auch mental. Irgendwann “denkt man anders”. Schwer zu beschreiben, aber irgendwie ist es mit einem riesigen Stau auf der Autobahn zu vergleichen, dessen Ende man nicht absehen kann. Ihr steht, anfangs noch halbwegs entspannt, dann genervter, immer mehr genervt, sucht nach der nächsten Ausfahrt, erkennt, daß es nicht weitergeht, sucht nach weiteren Lösungen, findet keine, regt Euch immer mehr auf, fangt an zu schwitzen, habt kein Wasser mehr im Auto, obwohl es draußen 38° hat, im Tank sind nur noch 5 Liter, gleich geht der Motor aus und Ihr bleibt stehen usw…..
    Ich denke, Ihr könnt den Zustand nachvollziehen.
    Dann stellt Euch mal vor, Ihr steht einige Monate in diesem Stau ;-)

Also könnte man annehmen, daß eine “kleine Unterstützung der Psyche” positive Auswirkungen auf die Rückenschmerzen haben dürfte, denn entweder (Fall 1) wird positiver Einfluß auf die (ursächliche) Depression genommen und die Rückenschmerzen verschwinden irgendwann oder (Fall 2) die Antidepressiva könnten Euch aus dem oben beschriebenen Stau schleppen und Ihr fahrt glücklich und zufrieden auf einer wunderschönen, freien Landstraße dem Ziel der Reise entgegen.

Und was nun? die Pillen helfen also auch nicht, was soll ich machen?
Ein Patentrezept gegen Rückenschmerzen kann ich auch nicht präsentieren – es gibt keins, soviel haben mir die letzten Jahre gezeigt.

Viele Ansätze sind denkbar, leider führen einige davon in eine Sackgasse. Na und, dann dreht eben um, und nehmt den nächsten Weg, aber bleibt auf keinen Fall stehen. Bewegung ist entscheidend. Stillstand lähmt.

Hört sich jetzt altklug an, an ich weiß wovon ich rede. Manchmal läßt sich auch ein Arrangement mit dem Schmerz finden, eine Form von Vertrag, der beide Seiten zufriedenstellt. Aber dafür muß man Kompromisse schließen können, denn wer auf alten Rechten und Gewohnheiten beharrt, wird die Vertragsverhandlungen nicht erfolgreich abschließen. Beide Seiten müssen auf einander zugehen und sich beweglich zeigen, dann bestehen gute Aussichten, eine Lösung zu finden.

Und das gilt nicht nur für die Rückenschmerzen.

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